Kategorie: Bücher

Leserückblick: Area 3

Gestern las ich von Thomas Franke den Roman Area 3 aus dem Verlagshaus el Gato (ISBN: 978-3-94604939-5, Umfang: 524 Seiten) fertig. Ich habe es ja erst kürzlich gekauft und ich konnte es einfach nicht erwarten.

In dem Roman geht es um Tad und seine Freunde, die es lieben, Area 3 zu zocken. Mit dem Helm, der ihnen den Monitor erspart und das Spielerlebnis realer wirken lässt, ist das kein Wunder. Als Tad von seinem Vater den Prototyp eines Anzugs erhält, der dafür sorgt, dass man das Spiel auch fühlt, stößt er auf eine Warnung seines Vaters, die nur bruchstückhaft ankommt. Irgendetwas ist nicht das, was es zu sein scheint. Gemeinsam mit seinen Freunden geht er dem Geheimnis auf die Spur und muss feststellen, dass die Handlungen im Spiel sich auf das reale Leben auswirken.

Dieses Buch ist ein Thriller. Er ist aber so weit von den üblichen Thrillern entfernt, wie ich es mir nur vorstellen kann. Es geht nicht um Terroranschläge oder Mord, sondern um moralische Grundwerte. Meiner Meinung nach richtet sich das Buch an Teenager, ist aber auch sehr interessant für Erwachsene, die selbst gerne zocken oder deren Kinder zocken. Es regt aber auch an, sich selbst und seine eigenen Handlungen zu reflektieren. Ein Buch mit einer Botschaft, die immer aktuell sein wird.
Ich mochte die Figuren. Effektiv geht es um Tad, seine kleine Schwester und seine drei Freunde, ganz normale Teenager, die gut getroffen wurden. Ich hatte durchaus das Gefühl, dass ich mit 16 Jahren genauso war, auch wenn ich keine Zockerin war. Ich fand es toll, dass sie alle fünf eine Entwicklung erleben. Hinzu kommen einige Erwachsene, die quasi die Position des Gegenspielers einnehmen, auch wenn sie es auf ihre unterschiedliche Weise nur gut meinen. Aber auch die lernen aus ihren Fehlern.
Die Geschichte selbst ist einfach nur spannend. Ich hätte sie unter normalen umständen binnen weniger Tage verschlungen. Es fehlte nur die Zeit. Dafür erwischte ich mich oft bei dem Gedanken, wie es jetzt wohl weitergeht. Das Thema ist aktuell, könnte mit den nächsten Jahren sogar noch aktueller werden. Vermutlich sollten unsere Wissenschaftler, egal ob diese auf Technologie oder Biologie spezialisiert sind, dieses Buch lesen, um sich über die möglichen Folgen klar zu werden, die ihre Erkenntnisse in den falschen Händen nach sich ziehen können.
Eine Träne muss ich für dieses Buch vergießen. Es ist super geschrieben. Ich fand keine Handlung, die sich mit vorangegangener oder folgender Handlung gebissen hätte. Allerdings fiel mir einmal auf, dass die Namen vertauscht wurden, und dass das Buch gespickt ist mit Rechtschreib- und Grammatikfehlern. Es tut mir unheimlich leid für dieses Buch und auch den Autoren, dem es, wenn ich an seine Danksagung zurückdenke, durchaus wichtig war, dass der Text korrekt geschrieben ist. Ich kann nicht beurteilen, ob der Autor diese ganzen katastrophalen Fehler eingebaut hat oder jemand anderes, der den Text korrigieren sollte und es entweder nicht besser wusste oder schlichtweg von der Menge oder der Aufgabe überfordert war.
Trotzdem empfehle ich das Buch wärmstens und bitte darum, die Fehler einfach zu übersehen. Bei diesem Buch geht es wirklich um den Inhalt, nicht um die Reihenfolge der Buchstaben und Satzzeichen. Da der Verlag laut der Verlegerin aufgelöst wurde, hoffe ich für den Autoren, dass er mit diesem Buch ein neues Zuhause in einem Verlag findet, der in ein ordentliches Korrektorat investiert. Ich würde mich darüber sehr freuen.

Leserückblick Geister der Vergangenheit

Gestern habe ich die Anthologie Geister der Vergangenheit aus dem Verlag Torsten Low (ISBN: 978-3-96629-006-7, Umfang: 316 Seiten) fertiggelesen. Darin geht es um die guten alten Spukgestalten und Spukorte Deutschlands, die fast vergessen sind. In 23 Kurzgeschichten zerren die Autoren diese zurück ins Rampenlicht.

Die Autoren verfügen über einen guten Schreibstil. Die Geschichten haben sich prima lesen lassen.
Ich bin kein Fan von Horrorfilmen, weil ich unheimlich schreckhaft bin. Wenn nur die Musik plötzlich bedrohlicher wird, erschrecke ich. Das passiert mir bei Büchern zum Glück nicht. Trotzdem waren die Geschichten spannend und ich empfehle, nicht die Waschmaschine im Keller laufen zu lassen, wenn man im Erdgeschoss gemütlich schmökern will. Bei der für mich gruseligsten Geschichte wechselte die plötzlich in den Schleudergang und ich bin total erschrocken. Ich sage nur: Hintergrundmusik. Ich glaube, mit Ausnahme der Loreley kannte ich keines der Gespenster oder der Spukorte. Das machte die Geschichten umso interessanter. Außerdem waren sie abwechslungsreich, auch wenn es eher selten ein Happy End gab. Aber das passte zu den Geschichten und dem Thema.

Ich habe die Geschichten verschlungen und ich bin froh, die Anthologie gekauft zu haben. Jetzt weiß ich, wieso sie für einen Preis nominiert ist. Ich hätte gerne noch mehr Geschichten gelesen. Ich bin mir sicher, dass die 23 Geschichten nicht alles abgedeckt haben. Für mich eine klare Empfehlung.

Leserückblick Irische Märchen Update 1.2: Taxi mit Elfe

Ich habe die Anthologie Irische Märchen Update 1.2: Taxi mit Elfe (ISBN: 978-3-95959-197-3, Umfang: 390 Seiten) aus dem Machandel Verlag gelesen. In dreiundzwanzig Kurzgeschichten werden die irischen Märchen auch im zweiten Teil modern und neu erzählt.

Ich mag auch den zweiten Teil der Anthologie. Die Geschichten sind abwechslungsreich und gut geschrieben. Hier kam auch die Action nicht zu kurz. Nur mit einer Geschichte wusste ich so überhaupt nichts anzufangen. Sie erhielt von mir den Status Kunstwerk. Sowas muss man nicht immer verstehen, erst recht nicht auf den ersten Blick. Irgendwann werde ich mir gerade diese Geschichte noch einmal zu Gemüte führen. Vielleicht verstehe ich auf den zweiten Blick, was man mir mit ihr sagen will.
In den Geschichten kommen noch mehr unterschiedliche irische Fabelwesen vor als im ersten Band. Das gestaltet das Lesevergnügen noch bunter. Vor allem, weil die irische Sagenwelt so viele unterschiedliche Wesen kennt, bin ich froh über den zweiten Band, der noch einmal Platz zum Staunen bietet.
Passend dazu findet man vor und nach jeder Geschichte wieder tolle Bilder, für die ich mir wie immer viel zu wenig Zeit genommen habe, obwohl ich sie schon bewusst betrachtete. Eigentlich müsste ich beide Bücher noch einmal wie ein Bilderbuch durchgehen und die Grafiken studieren. Allein wegen ihnen sind diese Anthologien schon Schmuckstücke.
Langweilig wurde es mir nie und ich bin total stolz, mit meiner Geschichte Türme im Cork Lough dabei zu sein. Ich bin also nicht ganz uneigennützig und unvoreingenommen, wenn ich sage, dass du beide Bücher lesen solltest, weil sie toll sind.

Leserückblick Irische Märchen Update 1.1: Wer Elfen vertraut, ist selbst schuld

Heute kommt der erste neue Leserückblick. Ich habe die Anthologie Irische Märchen Update 1.1: Wer Elfen vertraut, ist selbst schuld (ISBN: 978-3-95959-196-6, Umfang: 396 Seiten) aus dem Machandel Verlag fertiggelesen. In 21 Kurzgeschichten mit eher klassischem Märchenstil toben sich die Autoren in den Sagen und Märchen Irlands und Schottlands aus.

Ich hatte an der Ausschreibung zu dieser Anthologie teilgenommen und daher einige Märchen zum Thema gelesen, bis ich das richtige für mich gefunden hatte. Alle hatten eines gemeinsam. Sie waren irgendwie langatmig und langweilig. Es passierte wenig und das wurde noch zerredet, bis das letzte bisschen Spannung verloren gegangen war. Da fiel mir die Wahl schwer.
Hier ist es ähnlich und doch soooo anders! Keine Langeweile, viel zum Staunen, Spannung – ich kann mich einfach nicht entscheiden, welche Geschichte mein Liebling ist. Sie sind alle toll. Dabei dachte ich bisher immer, das wäre unmöglich bei einer Anthologie. Aber sie haben mich alle angesprochen. Auch wenn es klar war, jetzt kann ich so richtig verstehen, wieso die Verlegerin einen zweiten, ungeplanten Teil ins Verlagsprogramm eingeschoben hat. Die verschiedenen Schreibstile haben sich super lesen lassen. Ich hatte gar keine Zeit, die Geschichten zu genießen, weil ich sie verschlungen habe. Ich werde das Buch irgendwann wieder lesen müssen, um die Geschichten richtig zu würdigen.
Diese Anhologie wartet noch mit einer weiteren Besonderheit auf, ein kleiner Bonus. Vor und nach jeder Geschichte sind traumhafte Grafiken. Da habe ich mir immer ein paar Momente Zeit genommen, diese Bilder zu bewundern.
Feen, Elfen, Leprechaun und sein böser Cousin Cluricaun, Kelpies und Banshees – das und noch viel mehr findet zwischen dem wundervollen Cover und dem Klappentext Platz. Sie entführten mich in eine Welt voller Wunder, Undurchsichtigkeiten und in die phantastische Anderswelt. Ich hatte enormen Spaß beim Lesen. Auch Anthologieneulinge werden sicher ihre Freude an diesem Buch haben. Es ist die perfekte Einstiegsdroge in die Welt der Kurzgeschichten und, bei ausreichender Beleuchtung, absolut ungefährlich für den Körper. Es müssen nicht immer Romane sein. 😉

Leserückblick März 2020

Wie angekündigt, folgt hier der letzte Leserückblick. Zukünftig berichte ich über meine gelesenen Bücher, sobald ich mit ihnen fertig bin.

Es mag seltsam klingen, aber im März las ich Der phantastische Reiseführer 2020. Gleich siebzehn Kleinverlage haben sich wieder zusammengetan, um für die LBM 2020 diese kleine Übersicht für Messebesucher zu erstellen und auf sich aufmerksam zu machen. Darin stellen sich die beteiligten Verlage und ihre Neuerscheinungen vor und es gibt einen Lageplan, damit man sie im Wirrwarr der Gänge leichter findet. Das Büchlein ist nicht besonders dick, aber es ist informativ und mir machte es Spaß, es zu lesen – trotz des Hintergrunds, dass die LBM 2020 abgesagt und der Reiseführer dadurch praktisch zu einer amüsanten Erinnerung eines nicht stattfgefundenen Ereignisses wurde. Ich weiß die Arbeit, die darin steckt, zu schätzen. Vielleicht ist mir dieses Büchlein sogar noch mehr wert als das vom vergangenen Jahr, weil es durch die Absage der Messe etwas Besonderes ist. Ob ich es eines Tages für viel Geld auf eBay versteigern kann? 😄

Anschließend las ich von Frank Schätzing den Thriller Lautlos. Er spielt 1999 in Köln. Die weltpolitische Elite trifft sich zum G-8-Gipfel. Der Physiker Dr. Liam O’Connor hat das zweifelhafte Vergnügen, Lesungen in der Stadt im Ausnahmezustand abzuhalten und Termine wahrzunehmen. Durch Zufall stößt er auf die Möglichkeit, dass ein Attentat geplant sein könnte.
Die Geschichte beginnt schon 1998, aber das eigentliche Geschehen findet 1999 statt. Obwohl man als Leser die Verschwörer schon gleich am Anfang begleitet, weiß man nicht, was sie genau vorhaben und wie sie es umsetzen wollen. Das erfährt man erst durch O’Connor, der der Katastrophe auf den Grund geht. Dabei war es total spannend, seinen Theorien zu folgen, die sich teilweise nur Minuten später bewahrheiteten.
Der Mann ist ein heller Kopf und wurde vom Autor mit einem sehr markanten Charakter „gesegnet“. Jeder andere würde ihn als nervtötend beschreiben. Aber wenn man über ihn liest, ist er einfach ein besonderer Mann, dessen Flausen mir diebische Freude bereiteten. Auch seine Helfer, die PR-Agentin, der Lektor, ein Reporter und ein paar höhere Polizeibeamte, wurden mit einer ordentlichen Persönlichkeit ausgestattet. Da knisterte es häufig aufgrund diverser Spannungen. Selbst die Bösewichte kommen nicht zu kurz, wenn auch kürzer als die Guten. Sonst könnte man sie womöglich durchschauen. Trotzdem hat jeder seine eigene Geschichte, die sein Handeln beeinflusst. Das ist bei den relativ vielen Figuren, die hier vorkommen, doch mit viel Arbeit verbunden.
Leider weiß ich nicht, wie der Schreibstil um die Jahrtausendwende generell war, was Thriller betrifft. Damals las ich zwar durchaus bereits Erwachsenenbücher, aber ein Thriller wie Lautlos wäre doch noch zu schwer für mich gewesen und ich hätte mich wegen des politischen Hintergrunds schnell gelangweilt. Heute fand ich manchmal die ausufernden Gedankengänge über Patriotismus, Gerechtigkeit, Ausgleich, Opferrolle usw. ziemlich langatmig. Sowas habe ich bisher, soweit ich mich erinnern kann, noch nicht gelesen. Fällt es also unter den Stil des Autors oder war das damals einfach so? Ich hätte aus heutiger Sicht vermutlich locker hundert Seiten gekürzt und das Tempo dadurch angezogen, ohne dass man etwas vermisst hätte. Trotzdem ließ sich der Roman sehr gut lesen.
Dieser Thriller ist durch sein Thema im Jahr 1999 festgezurrt. Selbst wenn man ihn gedanklich auf einen aktuellen G-8-Gipfel übertragen wollte, es würde nicht gehen. Clinton, Milosevic und Schröder sind einfach Namen, die diese Geschichte in ihrer Zeit festhalten. Das macht ihn allerdings nicht weniger spannend. Er ist lediglich nicht mehr so aktuell. Gerade das hat mich aber besonders gefesselt. Der Autor spielt mit der Möglichkeit, dass damals ein Attentat hätte stattfinden können oder sogar stattgefunden hat. Ich war damals vierzehn. Woher soll ich wissen, was damals wirklich passiert ist? Nachrichten waren dazu da, GameBoy zu spielen und nicht zuzuhören. Aber genau aus diesem Grund konnte ich mich auf diese Möglichkeit einlassen und habe diesen Roman verschlungen. Ich denke, dass trotz der Fiktion vieles so oder ähnlich stattgefunden hat, also die Vorbereitung Kölns auf die hohen Herren der G-8-Staaten zum Beispiel. Letztlich ist es ein sehr guter Thriller.

Da dieser Thriller jedoch fast siebenhundert Seiten stark ist, habe ich es im vergangenen Monat nicht mehr geschafft, noch ein weiteres Buch zu beenden. So können wir uns schon ein wenig an die Neuerungen gewöhnen, die ich gerade einführe. Schätzungsweise nächste Woche könnte es dann zur ersten Buchbesprechung nach neuem Format kommen. Ich freue mich schon darauf.

Leserückblick Februar 2020

Im Februar habe ich nur wenig gelesen. Ich weiß nicht, wieso, aber mir fehlte die Luft darauf. Trotzdem kann ich zwei Bücher vorstellen, wobei eines sogar eine Überraschung ist.

Ich hatte bereits im Januar das Buch von Cara Yarash „Im Bann der Elfenwelt“ begonnen. Darin geht es um Merina, die eine Halbelfe ist und in unserer Welt aufwuchs. Bei einem Ausritt gelangt sie zufällig ins Elfenreich und muss feststellen, dass es eine Prophezeiung über sie gibt. Nach dieser wird Merina entweder das Reich retten oder dafür sorgen, dass es untergeht.
Der Schreibstil hat mir ganz gut gefallen. Allerdings werden die Visionen in der Gegenwart erzählt, während die Geschichte in der Vergangenheit erzählt wird. Ich hatte keine Probleme mit den Visionen, aber wenn ich dann wieder in die Geschichte eintauchen sollte, benötigte ich ein paar Absätze, um mich in die richtige Erzählzeit einzufinden. Ich verstehe, wieso man zu diesem Stilmittel gegriffen hat, aber mein Gehirn hatte beim Umschalten Probleme. Zum Glück kamen nicht so viele Visionen vor.
Die Figuren waren interessant, aber da hätte man meiner Meinung nach noch mehr herausholen können. Ich finde das nicht schlimm. Nicht jeder Roman muss immer absolut anspruchsvoll sein. In Verbindung mit der Geschichte, in der die Handlung nur selten überraschende Wendungen nimmt, rangiert dieser Roman für mich in der Kategorie „lese ich mal so nebenbei“. Auch das meine ich in keiner Weise negativ wertend. Solche Bücher muss es auch geben und ich bin froh über deren Existenz, wenn ich mich mal gerade von einem überaus spannenden Buch „erholen“ muss.
Die Geschichte an sich könnte dem Traum eines Mädchens entsprungen sein, das aus unserer langweiligen Welt ausbrechen will. Obwohl der Roman sich ganz klar an ein eher erwachsenes Publikum richtet, wirkt er verträumt. Er lädt mich aber nicht zum Träumen ein. Dazu fehlt mir irgendetwas, das aber in den meisten Büchern fehlt. Es ist eben schwer, eine einzelne Person so komplett anzusprechen mit seiner Geschichte. Und wenn das gelingt, spricht man dafür jemand anderen nicht richtig an. Trotz allem hatte ich eine schöne Reise an Merinas Seite. Die Elfenwelt bietet so manches, das ich gerne gesehen hätte. AUßER SCHOKOLADE! Also ein Kriterium, um wieder nach Hause kommen zu wollen.
Für diesen Roman habe ich relativ lange gebraucht. Etwa drei Wochen. Vielleicht hätte ich ihn schneller verschlungen, wenn er etwas mehr Pfiff gehabt hätte, aber das ist reine Spekulation, da ich in diesen drei Wochen auch nicht so viel Zeit zum Lesen hatte. Er war ein netter Zeitvertreib.

Anschließend las ich „Rudernde Hunde“ von Elke Heidenreich und Bernd Schroeder. Es ist eine Kurzgeschichtensammlung über neunzehn Geschichten, wie sie das Leben schreibt.
Normalerweise hätte ich mir dieses Buch nie gekauft. Der Titel klingt merkwürdig und das Cover ist langweilig, trifft so gar nicht meinen Geschmack. Aufkleber, die darüber informieren, dass man einen Bestseller in Händen hält, interessieren mich auch nicht. Aber meine Schwiegermama bekam dieses Buch zu Weihnachten geschenkt. Da sie überhaupt nicht lesebegeistert ist, vererbte sie mir das Buch.
Viel habe ich nicht erwartet. Eigentlich erwartete ich sogar, das Buch nach wenigen Seiten in die Bücherkiste zu den anderen Büchern zu legen, die ich eines Tages billig an momox oder sonst irgendeine Bücherbörse verkaufe. Ich wurde überrascht. Jede Geschichte besitzt ihre eigene kleine Portion Humor. So fein, dass es eine Kunst ist und es ein Genuss war, in diesen Geschichten zu schwelgen, die überwiegend zwischen 1945 und 1975 spielen – also lange vor meiner Geburt. Wirklich! Das ist also überhaupt nicht meine Zeit. Nachkriegszeit, Frauen gehören noch hinter den Herd und kennen Selbstbestimmung erst ab dem Moment, wenn der Mann endlich den Löffel abgegeben hat … Zwei der Geschichten handeln wirklich von einer Bronzefigur, die zwei rudernde Hunde darstellt – die erste und die letzte, die quasi zusammengehören und zwei verschiedene Sichtweisen erzählt. Überhaupt nicht langweilig.
Ich habe mich köstlich unterhalten und das Buch ziemlich rasch durchgelesen. Es hat sich einen Platz in meinem Bücherregal verdient und vielleicht lese ich es irgendwann mit Vorfreude auf die feinen Nuancen in den Geschichten noch einmal.

Ich habe bereits ein Drittel des nächsten Buchs gelesen, aber das ist ein echt dicker Schinken. Freu dich darauf, wenn ich nächsten Monat davon berichte, denn bisher zeigt sich der Schinken von einer leckeren Seite.

Leserückblick Januar 2020

Der erste Monat des Jahres ist vorbei und trotz viel Arbeit konnte ich viel lesen. Ich kann ein paar tolle Bücher vorstellen.

Zuerst beendete ich von den Autorinnen Laura Schmolke und Veronika Serwotka den Roman Trance – Als die Menschen vergaßen zu leben. Darin leben die Menschen unter der Erde, und zwar ewig, denn sie haben Elysium. Nur ein gewaltsamer Tod kann ihr Leben beenden. Der Preis dafür ist ein tranceähnlicher Zustand, sodass die Menschen ihr Leben kaum wahrnehmen und eher wie Zombies tun, was man ihnen sagt. Da entdeckt Kim eine Leiche. Der Mann hat ein Tagebuch bei sich, das sie einsteckt. Beim Lesen verändert sich ihre Welt.
Die beiden Autorinnen haben eine Welt erschaffen, in der Zeit keine Rolle mehr spielt. Sie ist geradezu stehengeblieben, denn durch die Trance gibt es keinen Fortschritt. Entsprechend ist unklar, wie viel Zeit seit dem Umzug unter die Erde vergangen ist. Selbst als Kim aus der Trance erwacht, weiß sie nicht, wie alt sie ist oder wie lange sie unter der Erde lebt. Genaugenommen kann sie sich nicht einmal an ihr Leben erinnern, weder wärend noch vor der Trance. Dadurch entsteht ein leicht bedrohlich wirkendes Setting.
Natürlich bleibt Kim nicht lange die einzige Erwachte. Sie stößt auf weitere, die die Regierung stürzen wollen, damit die Menschen wählen können, ob sie in Trance ewig leben oder für beschränkte Zeit wirklich leben. Das ist ein bunt zusammengewürfelter Haufen und dummerweise kennt einer von ihnen Kim. Er weiß etwas über sie und droht ihr. Dabei kann sie sich an nichts erinnern. Insgesamt sind die Personen einzigartig. Sie tragen Decknamen, damit sie die Gruppe nicht verraten können, sollten sie von der Regierung geschnappt werden. Diese Namen spiegeln zugleich den Kern ihres Charakters wieder. Ich mochte sie und konnte die Beweggrunde eines jeden nachvollziehen.
Der Stil ließ sich sehr gut lesen. Die Geschichte wird durch die Tagebucheinträge aufgelockert, sodass ich gleich an zwei Fronten mitfieberte. Ich habe das Buch verschlungen, obwohl ich wenig Zeit hatte.
Als kleines Extra ziert die letzte Seite jedes Kapitels die Grafik eines aufgeschlagenen (Tage-?)Buchs. Mit solchen Schnörkeleien halten sich die wenigsten Verlage auf. Ich weiß es zu schätzen. Ich bin eben eine Verfechterin für Bilder in Büchern für „die Großen“. Das erfreut nicht nur das Auge, sondern spricht auch das innere Kind an, und wen das nicht interessiert, muss sie ja nicht minutenlang betrachten, sondern kann sie überblättern.
Ich bin happy mit dem Buch, zumal ich eine Widmung von einer der Autorinnen bekommen habe.

Anschließend las ich die Anthologie Der Tag der toten Katze. Cornelia Wriedt kam der Satz „Ich hasse es, wenn der Tag damit beginnt, dass ich eine überfahrene Katze begraben muss.“ in den Sinn. Sie fand, dass er sich prima als ersten Satz für eine Geschichte machen würde, wollte ihn aber nicht selbst verwenden. Da sie fand, er sei zu schade, um in Vergessenheit zu geraten, bot sie ihn online an. Geli Grimm nahm dieses Geschenk gerne an und so entstand die Anthologie, in der alle Geschichten mit diesem Satz beginnen.
Es sind 14 Geschichten, jede anders, obwohl es doch immer um überfahrene Katzen geht. Kaum zu glauben, welche Vielfalt man trotzdem erschaffen kann.
Vor allem die Geschichten, die aus Sicht der Katzen geschrieben sind, haben es mir angetan. Ich finde, dass ihr Charakter darin besonders gut zur Geltung kommt. Aber auch die anderen Figuren sind gut gelungen. Oft sind sie etwas verschroben oder skurril.
Es hat echt Spaß gemacht, dieses schmale Bändchen zu lesen. Ich hatte zunächst etwas Angst davor. Ich liebe Katzen. Aber der befürchtete Schmerz, die Trauer um die toten Katzen, blieb aus, weil die Geschichten nicht auf den Verlust abzielten. Ich bin froh, den Mut aufgebracht zu haben, das Buch zu kaufen.

Es folgte von Sarah Neumann Die Schicksalsseherin. Darin versiegt in der Welt der Kobolde die Glücksproduktion, aber dieses Glück ist immens wichtig, denn die Kobolde bringen es in die anderen Welten, um damit das Leben lebenswert zu machen und auch Leben zu retten. Die Kobolde sind in Aufruhr. Myriel glaubt, den Ursprung dieses Verderbens zu erkennen, und will handeln.
Kobolde! Mit ihnen verbinde ich Töpfe voll Gold, die am Ende des Regenbogens ausgegraben werden können, und Schabernack. Ihnen ist das Glück hold. Da ist es naheliegend, dass sie das Glück im Universum verteilen und eine eigene Welt bevölkern. Ich finde die Idee toll. Der Gedanke, dass es verschiedene Abteilungen gibt, die sich um Kriege, Glücksspiel, eine glückliche Zukunft uvm. kümmern, hat was. So zog mich dieses Buch in die Koboldwelt, wo die Kobolde in Bäumen leben, ein Mammutbaum das Zentrum ihrer Macht und zugleich wichtiger Treffpunkt für Versammlungen ist und viele verschiedene Blumen Aufgaben erfüllen, sei es als Lichtquelle, Aufzug, Kleid oder Lautsprecher etc. Die Kobolde besitzen besondere Fähigkeiten wie z. B. das Lenken anderer Lebewesen wie an Marionettenfäden, das Sehen der Zukunft oder das Beeinflussen der Gefühle eines Anderen. Ach, es gibt einfach furchtbar viel in der Koboldwelt zu entdecken!
In dieser Geschichte sind Myriel und Seith die wichtigsten Figuren. Die Kapitel erzählen abwechselnd aus ihren Perspektiven. Sie gehören zwei verfeindeten Familien an und wüssten diese, dass die Beiden sich mögen und heimlich treffen, gäbe es mächtigen Ärger, zumal Beide unglücklich mit anderen Kobolden verlobt sind. Aber sie gehören eben auch zwei sehr mächtigen Familien an, sodass sie sich in ihre Rollen widerwillig fügen wollen. Ich mag die Beiden. Obwohl von ihnen einiges erwartet wird, stellen sie sich dagegen, schauen über ihren Tellerrand hinaus und sind bereit, Opfer zu bringen.
Insgesamt ist die Geschichte sehr toll erzählt. Ich hatte anfangs leichte Schwierigkeiten, in die Geschichte einzutauchen, aber das liegt vermutlich daran, dass ich die Kobolde unserer Erde zuordne und mich schwertat, zu verstehen, dass sie einen eigenen Planeten haben, auf dem sie zuhause sind. Das ist aber eigentlich nebensächlich und diese Schwierigkeit verblasste schnell, weil die Geschichte so mitreißend ist. Spätestens nach 2/3 der Geschichte war es sowieso um mich geschehen, weil dann die Spannung merklich anzog. Es wurde richtig ernst. Ich wusste, wer welche Ziele verfolgt und wie er zu den anderen Kobolden steht, und was das für Konsequenzen haben muss. Entsprechend schnell hatte ich die letzten hundert Seiten verschlungen.
Mir hat es in der Koboldwelt unheimlich gut gefallen und das Ende hat mich für die anfängliche kleine Orientierungsschwierigkeit mehr als entschädigt.

Als letzten Roman im Januar las ich von Sophia Farago Schneegestöber. Es spielt in England, 19. Jahrhundert. Die Mädchen Kitty und Mary Ann leben auf einer Mädchenschule für höhere Töchter. Mary Ann wird bald 21 und hätte längst ihr Debut geben müssen, doch ihr Bruder und Vormund verlängert lieber den Vertrag mit der Schule um weitere vier Jahre. Kitty wird bald 18, aber durch ihr spanisches Temperament hat sie es schwer, sich in die englischen Sitten zu ordnen. Noch bevor sie, wie von ihrer Tante versprochen, zu ihrem 18. Geburtstag abgeholt werden kann, um ihr Debut zu geben, fliegt sie von der Schule. Da sie Mary Ann dort nicht alleine versauern lassen will, nimmt sie sie mit auf ihre Reise zu ihrem zweiten Vormund, Onkel St. James. Doch dieser denkt nicht daran, seine Nichte zu empfangen, und die Mädchen haben auf ihrer Reise ihr letztes Geld ausgeben müssen …
Das Buch ist von 1996. Es ist also noch in der alten Rechtschreibung verfasst und auch die modernen Stilmittel, die ich als Autorin kenne, suchte ich vergebens – was nicht heißen soll, dass ich den Roman deshalb schlecht oder altbacken fand. Im Gegenteil, ich fand diesen älteren Schreibstil erfrischend ehrlich, weil mir nicht über eine halbe Seite erklärt wurde, wie sich die Verliebtheit der Mädchen anfühlt, sondern weil einfach da stand, dass sie verliebt sind. Punkt. So einfach kann es sein.
Trotzdem fand ich die Figuren gut gezeichnet. Die Geistlichen hatten ihre religiösen Ansichten bzw. sogar Marotten, die Mädchen waren nicht zu gegensätzlich, sich aber auch nicht zu ähnlich, sodass ich sie gut unterscheiden konnte, und auch die Männer ihrer Herzen und Nebenfiguren hatten ihren Charme. Schön fand ich, wie sich alles zusammenfügte, dass die Menschen sich um ein oder zwei Ecken kannten und die Herzenswünsche des Einen sich auf die Anderen auswirkten. Ich muss aufpassen, nicht zu viel zu verraten. Daher bleibe ich kryptisch.
Die Geschichte an sich fand ich sehr spannend und nach den vielen Fantasyromanen der letzten Zeit auch entspannend, weil das 19. Jahrhundert jetzt nicht so viel Fantasie von mir verlangte. Sie ist herrlich normal, trotz ihrer Verstrickungen und Romantik. Ich habe diesen Roman verschlungen.

Leserückblick Dezember 2019

Hallo und noch ein frohes neues Jahr! Der Dezember war ein klasse Monat. Ich liebe die Vorweihnachtszeit. Passend dazu habe ich mein Arbeitstempo etwas gedrosselt und mehr gelesen.

Zuerst las ich die FeenCon-Anthologie Feen- und Con-Geschichten. Es ist kein offizielles Buch, sondern eine Art Geschenk zum 30jährigen Jubiläum der FeenCon. Es wurde für Spenden verkauft und es dürfte schwer werden, diese noch zu bekommen. Für diese Anthologie wurden dreizehn Autoren und Verleger um Kurzgeschichten zur Feencon gebeten.
Es ist nicht verwunderlich, dass mehrfach die Fee des Feencon Teil der Geschichten ist. Aber auch die verschiedenen Autoren wie Robert Corvus in seinem langen schwarzen Mantel oder die Verleger Torsten Low und Marc Hamacher oder der Conleiter Willi kommen vor und erleben Erstaunliches. Ob als Eule, Leseratte und Co. beim Kartenspiel oder „ganz real“ als Vampirjäger, es war echt genial, zu was diese Figuren fähig sind.
Es ist leider nur ein schmales Bändchen, aber es brachte mich oft zum Schmunzeln, weil ich mich in der Welt von Cons, Autoren und Verlegern mittlerweile ganz passabel auskenne. Ich hatte richtig Spaß, die Kurzgeschichten zu lesen, und ich bin froh, dass ich mir ein Exemplar gesichert habe. Es ist eine tolle Erinnerung an meinen Besuch der FeenCon 2019.

Danach war das Album der verschwundenen Freunde von Anja Buchmann. Darin geht es um Penelope. Sie verspürt das Gefühl von Verlust, weiß aber nicht, was in ihrem Leben fehlt. Durch Zufall stolpert sie über ein Gedicht, kann sich aber nicht an den Verfasser erinnern. Dabei muss derjenige sie sehr gut kennen, und eines ist klar, sie hat es nicht geschrieben. Sie fängt an, zu suchen, und rennt gegen Mauern in ihrem Gedächtnis.
Auf das Buch war ich schon auf der Leipziger Buchmesse aufmerksam geworden, hatte mein Budget jedoch bereits verplant. Auch auf der FaRK hatte ich es gesehen, wieder mit demselben Budget-Problem. Auf dem BuCon hatte ich die Lesung der Autorin, die u. a. aus diesem Buch las, besucht, und warf meinen Budget-Plan um, sodass ich mir das Buch kaufte und sogar eine Signatur von der Autorin bekam.
Ich mag den Schreibstil der Autorin. Er ist unaufgeregt und bedient sich einer alltäglichen Sprache, mal von den Passagen abgesehen, in denen sie erzählt, was den verschwundenen Freunden passiert, der in einem mittelalterlichen Stil erzählt wird. Das ist super, da ich so nicht nur durch die vorkommenden Figuren wusste, wo ich gerade war, sondern auch durch die Sprache.
Auch die Figuren haben es mir angetan. Zwischendurch fürchtete ich sogar, dass Gleichgesinnte und neue Freunde Penelope von ihrer Suche zu stark ablenken oder sogar abhalten könnten. Diese kleinen Spannungen trugen mich herrlich durch das Buch. Aber auch sonst konnte ich die einzelnen Figuren an ihren Eigenheiten recht gut erkennen. Da hat die Autorin ihre Hausaufgaben gemacht.
Die Geschichte an sich ist sehr spannend. Ich wollte unbedingt wissen, ob es Penelope gelingt, ihren verschwundenen Freund zu finden. Selbst wenn es mal gerade etwas ruhiger zuging, wurde es nicht langweilig. Im Gegenteil, dann konnte ich mal Atem schöpfen.
Ich mag ja schon das Verlagslogo, weil es eine Katze darstellt. Durch die besuchte Lesung konnte ich die Autorin etwas kennenlernen und ich finde sie sehr sympathisch. Umso mehr freue ich mich über eine so tolle Geschichte.

Götterlicht von Vinya Moore habe ich auf der Leipziger Buchmesse gekauft. Ich freute mich schon ewig darauf, es endlich lesen zu können, weil das Cover so schön ist. Darin geht es um Natassya, die ein Götterkind ist. Ihr Vater herrscht über den Mond Kelan, einer von insgesamt acht Monden. Als sie von einem Traum verfolgt wird, zerbricht jedoch ihre heile Welt. Immer mehr Fragen stürmen auf sie ein, auf die sie keine Antworten zu finden vermag. Ihr Vater, der ihr helfen könnte, schweigt beharrlich, bis es fast zu spät ist. Sie muss sich einer Prüfung stellen, an deren Ausgang ihr Tod oder die Herrschaft über alle acht Monde steht.
Dummerweise ist es eine Dilogie. Ich hatte beim Kauf extra nachgefragt. Da hatte man mir gesagt, dass es ein Einzelband wäre. Ich hätte besser ins Buch geschaut, wobei ich nicht mehr weiß, ob ich es eingeschweißt erhielt. Hinten steht nämlich schön „Fortsetzung folgt“. Die lässt seit 2017 auf sich warten und die Autorin hat auch keine Info dazu auf ihrer Homepage stehen. Da steht nur, dass in Kürze ein Roman, der mit diesem nichts zu tun hat, veröffentlicht wird. Keine Ahnung, ob sie am zweiten Teil schon arbeitet oder es nie einen geben wird. Da das Buch mit einem fiesen Cliffhanger endet, ist das ärgerlich.
Zugleich sagt es aber auch etwas über den Roman aus. Ich fand ihn spannend und möchte gerne das Ende kennen. Die Idee hinter der Geschichte ist toll. Jeder Mond hat eine eigene Farbe, leuchtet in ihr am Himmel, sodass man einen Regenbogen erhält. Die Augen der jeweiligen Bewohner tragen dieselbe Farbe wie ihr Mond. Jeder Mond verkörpert aber auch eine Eigenschaft. Wut und Neid oder die Gabe, jemanden zu überzeugen …
Der Stil hat mir gut gefallen. Die Autorin zauberte Wendungen aus dem Hut, die sie in diesem Band noch nicht erklärt. Ich hoffe da auf den zweiten Band, denn ohne Erklärungen würde es sonst so aussehen, als hätte sie nicht weitergewusst. Manchmal fand ich ihre Art, die Informationen auch vor dem Leser geheimzuhalten, schon nervig. Aber da die Figuren auch nicht mehr wissen, ist es ok. Ich hätte nur gerne endlich mal Antworten.
Die Figuren fand ich zum großen Teil gut gezeichnet. Ich fand es gut, dass Natassia und der zweite Auserwählte für die Herrschaft dieselben Probleme haben. Es gefällt ihnen nicht, wie sich die Dinge entwickeln und dass ihr Leben vorherbestimmt zu sein scheint. Dabei bleibt mir aber gerade Natassia etwas farblos zurück. Oft wirkte sie auf mich wie eine richtige Heulsuse. Die meiste Zeit ist sie am Weinen oder hadert mit ihrem Schicksal, anstatt es endlich in die Hand zu nehmen, wovon sie doch eigentlich träumt. Ich hoffe, dass sie sich im zweiten Band weiterentwickelt. Weinen ist jedenfalls keine Lösung für die Probleme, die vor ihr liegen.
Insgesamt eine tolle Geschichte. Ich würde jetzt sehr gerne den zweiten Band lesen, denn der erste wirft mehr Fragen auf, als er beantwortet.

Als letztes las ich von Tyson Vick das Steampunk Handbuch für Monsterjäger. Darin geht es um Philomena, die auch endlich auf eine Monsterjagd gehen, Geister in Flaschen in ihrem Salon verteilen oder ein Werwolffell an die Wand hängen will. Das scheint in ihrer Welt total schick zu sein. Der Zufall verhilft ihr zu einem sagenhaften Rabatt bei einem Unternehmen, das solche Jagden für gehobene Gesellschaften anbietet. Gemeinsam mit ihren Reisegefährten bereist sie die Welt und trifft auf viele Monster.
Es handelt sich hier um ein Fotobuch, in dem Philomena einem Reisetagebuch gleich ihre Erlebnisse niedergeschrieben hat. Allein die Fotos sind klasse und bergen viele Details. Ich bewundere ja die junge Frau, die Philomena auf den Bildern darstellen soll. Sie steht oft da, das Gesicht leicht entsetzt verzogen (gerade so viel, wie es sich für eine englische Lady schickt), in voller ladylike-Montour und dazu die Hände in den aberwitzigsten Winkeln abstehen hat. Sieht grazil aus, gefällt mir auch, finde ich aber auch sehr witzig.
„Philomena“ trägt ihre Einträge natürlich in einem standesgemäßen Ton ein. Es ist so lustig, zu lesen, wie sie sich über die attraktiven Herren auslässt und – Gott bewahre!!! – ab und zu sogar (halb-)nackt sieht! Eine echte Lady schaut natürlich weg, aber interessant, was sie trotzdem alles über die männlichen Körper zu berichten weiß. Ich musste jedenfalls beim Lesen sehr oft schmunzeln. Dabei sind die Abenteuer aber auch oft sehr spannend geschrieben.
Die Nebenfiguren kommen in Philomenas Einträgen nicht immer sehr gut weg. Allen voran Percy, der einfach tollpatschig ist. Mir vorzustellen, welch teilweise hysterische Gesellschaft da zusammengewürfelt wurde … Dabei sind die bewusst auf Monsterjagd gefahren! Zugleich bleiben sie aber auch oft an Stellen cool, wo wir dann mal langsam das Weite suchen würden.
Ich hab das Buch geradezu verschlungen. Es geht ja auch relativ schnell aufgrund der vielen Bilder, teilweise sogar über Doppelseiten hinweg. Allerdings hat das Buch fast DIN A4-Größe. Da sollte man die Lesegeschwindigkeit nicht unterschätzen. Ich habe mich jedenfalls köstlich amüsiert.

Beinahe hätte ich noch ein fünftes Buch vorstellen können, aber zwischen den Feiertagen hat man bekanntlich am wenigsten Zeit. Da fehlen noch gut hundert Seiten. Das kommt dann im nächsten Monat dran. 🙂

Leserückblick November

Ende Oktober hatte ich mich dem vierten Teil der Tybay-Saga gewidmet, einem echt dicken Wälzer, den ich in den wenigen Tagen nicht mehr geschafft hatte. Neben dem NaNo blieb zu wenig Zeit, sodass es dieses Mal nur dieses Buch in den Rückblick geschafft hat.

„Der Weltenbefreier“ ist der aktuell letzte Teil der Tybay-Saga von Tanja Kummer und 891 Seiten stark. Darin geht es um Graces und Shawns jüngsten Sohn Jamie, der von der Göttin auserwählt wird, König über Tybay zu sein. Doch seine Herrschaft währt nur kurz. Die Göttin schickt ihn in die Welt, in die einst viele Druiden und ein Teil der Königsfamilie des Goldenen Reichs vor dem Etwas flüchtete. Dadurch wird der aktuelle Hochkönig auf die alte Welt aufmerksam und will sie sich einverleiben. Er ist übermächtig, aber Jamie lässt dies nicht einfach geschehen.
Hier greift die Autorin Fäden aus den vorangegangenen drei Bänden auf und spinnt eine Geschichte, die alle Fragen beantwortet, mal von denen abgesehen, wie es Jamie zukünftig ergeht. 😉 Mit diesem Band ist Tanja Kummer meiner Meinung nach endgültig als Autorin angekommen. Ihr Stil ist sicher, sie scheint, zu wissen, was sie tut. Es hat richtig Spaß gemacht, diesen Roman zu lesen. Dabei habe ich mich immer wieder gefragt, woher sie all die Ideen nahm. Sie hat so viele Handlungsstränge entworfen und verwoben, dass sie Tolkien Konkurrenz macht. Zudem sind viele Figuren hinzugekommen, die das erst ermöglichten, weil sie sich, wie es sich gehört, nicht ständig auf der Pelle hocken, sondern ihren eigenen Wegen folgen. Oft habe ich mich nach drei Kapiteln gefragt, wann es endlich bei  einem bestimmten Handlungsstrang weitergeht, weil mir der immer noch im Kopf herumspukte. Ein wenig hat mich die zeitliche Reihenfolge irritiert. Das betrifft die Ereignisse nach einem Schlüsselereignis. Die Autorin folgt dabei über zwei bis drei Kapitel dem einen Handlungsstrang, der von dem Schlüsselereignis abgeht, nur um dann zurückzuspringen und dem nächsten Handlungsstrang zu folgen. Es ist nicht falsch. Gewohnt bin ich allerdings etwas anderes. Da sehe ich es in der Regel so, dass die Autoren immer ein Kapitel lang dem jeweiligen Handlungsstrang folgen, um dann zum nächsten ab dem Schlüsselereignis zu springen, sodass die Handlungen auch vom Gefühl her beim Lesen parallel verlaufen. Ich empfand es jetzt nicht als schlimm, aber da ich nicht darauf vorbereitet war, verwirrte es mich eben kurzzeitig. Trotzdem birgt dieses Buch ein Leseerlebnis, das ich schon lange nicht mehr hatte. Das hat sich mehr als gelohnt.

So viel zum November. Nächsten Monat schaffen es sicher mehr Bücher in den Leserückblick. Nach dem NaNo habe ich ja wieder etwas mehr Zeit zum Lesen. 😉

Leserückblick Oktober

Der Oktober ist vorbei und der November beginnt mit dem passenden Lesewetter. Doch bevor ich mich zwischen die Seiten meines aktuellen Romans stürze, um zu erfahren, wie es dort weitergeht, will ich dir zeigen, was ich im vergangenen Monat gelesen habe.

Zunächst habe ich von Tanja Kummer „Der Weltenwandler“ beendet. Darin regiert Grace mittlerweile seit acht Jahren allein über Tybay, als Faija auftaucht und sie in eine fremde Welt bringt. Dort ist ihr Mann Shawn, der nach wie vor von dem Etwas besessen ist und in dessen Auftrag Welten zerstört. Grace muss sich diesem Etwas stellen. Zugleich steht Tybay ein Krieg mit den Velenzen bevor. Necom, der älteste Sohn, muss sich dieser Herausforderung und der Herrschaft über Tybay stellen. Anna, Necoms Schwester, hat da ihre eigenen Pläne und bringt sich in große Gefahr.
Am Anfang dachte ich, dass dieser dritte Band ähnlich langsam beginnt wie der zweite. Ich irrte mich. Nach dem anfänglichen Vorgeplänkel ging es recht schnell zur Sache und zum Schluss hin hasste ich es, zwischen den drei Schauplätzen hin- und hergeworfen zu werden, weil ich gerne bei dem einen Schauplatz gewusst hätte, wie es weitergeht.
Im Stil bleibt sich die Autorin treu, jedoch glaube ich, eine gewisse Sicherheit in dem, was sie tut, zu erkennen, die ihr beim ersten Teil noch fehlte und an der ihr im zweiten noch etwas mangelte. Darüber habe ich mich sehr gefreut, denn Tybay hat großes Potential. Nicht umsonst existrieren hierzu vier Romane. Jedoch finde ich, dass sie sich deutlich weiterentwickelt hat. Ich erkenne sie ohne Schwierigkeiten wieder, aber sie ist viel besser geworden.
Mit der Figurenentwicklung, immerhin sind acht Jahre vergangen, bin ich zufrieden. So viel ändert sich ein Mensch ja nicht, wenn es dafür nicht einen zwingenden Grund gibt, und bei Büchern will ich genau über diese Gründe lesen. Aber innerhalb des Romans gibt es kleine Entwicklungen, die mir gut gefallen.
Ein paar überraschende Wendungen hat die Autorin ebenfalls eingebaut. Auch ein Hinweis auf ihre eigene Weiterentwicklung als Autorin. Über überraschende Wendungen habe ich schon in Ratgebern gelesen, aber so toll umgesetzt sind sie mir bisher nie aufgefallen. Und ich rede nicht um dieses typische „kurz vorm Schluss müssen sich die beiden Liebenden noch einmal fetzen, sodass man als Leser zweifeln muss, ob sie sich in diesem Roman noch zusammenraufen“ oder den vermeintlich endgültigen Rückschlag, ehe der Held doch irgendwie den Sieg erringt. Dieser Aspekt hat mir echt imponiert und in mir ist der Wunsch erwacht, das auch so gut umzusetzen. Das hier ist für mich jedenfalls ein Musterbeispiel.
Nicht nur durch die überraschenden Wendungen wird die Story packend und abwechslungsreich. Dazu will ich jedoch nicht zu sehr ins Detail gehen. Ich bin jedenfalls sehr zufrieden.

Zusätzlich las ich von Stephan Waldscheidt „Schreibcamp 1&2 – Mehr Fitness für Ihren Roman & seine Emotionen“, um an meinen eigenen Fähigkeiten zu schrauben. Gerade das Beschreiben von Emotionen fällt mir schwer, sodass ich mir ein paar gute Tipps erhoffte. In diesem Schreibratgeber sind zwei Schreib-Workshops enthalten.
1. 28 Übungen, die den Roman verbessern
2. 29 Übungen, mit denen die Emotionen der Figuren und Leser intensiviert werden
Meine Erfahrungen mit diesem Buch sind sehr durchwachsen. Generell sind ein paar gute Hinweise drin, aber jetzt nichts wahnsinnig Neues, das ich noch nirgendwo sonst gelesen hätte. Da hat mir mein Mann kürzlich „Show, don’t tell“ besser erklärt als dieses Buch, und bei Gefühlen geht es eben viel um show. Allerdings bin ich auch nicht der Typ, der sich hinsetzt und Übungen macht. Erst recht nicht, wenn ich die mit einem soweit fertigen Manuskript machen soll. Ich will vorher wissen, worauf ich achten muss, und den Rest später beim Überarbeiten glattbügeln. Beides kann dieses Buch meiner Meinung nach nicht rüberbringen. Ich weiß auch ehrlich nicht, wem ich dieses Buch empfehlen soll. Für Anfänger ist es ungeeignet, weil die erst einmal lernen müssen, überhaupt einen Roman zu schreiben/beenden. Fortgeschrittene wie ich nehmen sich wohl eher selten die Zeit, ihren fertigen Roman nach den Stellen abzusuchen, die für die jeweiligen Übungen geeignet sind. Experten haben die Zeit erst gar nicht und können sich auch nur Experten nennen, wenn sie schon wissen, worauf es ankommt, diesen Ratgeber also gar nicht brauchen.
Das klingt jetzt alles sehr negativ. So ist es nicht. Als kurze Gedächtnisstütze hat man dieses Bändchen sehr schnell durchgelesen. Schneller als jeden guten Schreibratgeber. Um mich mal an etwas wieder zu erinnern, das ich anfangs nicht verstanden habe und das mich die Erfahrung gelehrt hat, fand ich es gut. Es ist ja nicht so, als wären die Übungen Mist. Trotzdem kann ich persönlich nur wenig damit anfangen.

Ob ich im November viel zum Lesen kommen werde, kann ich jetzt noch gar nicht abschätzen. Immerhin ist jetzt NaNo. Wie gut ich da vorankomme, erzähle ich aber ein anderes Mal. 😉