Jahresrückblick

2021 endet in ein paar Stunden. Das frische 2022 winkt uns schon von Mitternacht aus zu. Ich kann gar nicht sagen, wie sehr ich mich auf das neue Jahr freue. Es fühlt sich an, als würde es mir Versprechungen vieler toller Tage zuwispern. Aber noch muss ich darauf warten, dass beide Zeiger auf der 12 landen. Zeit genug, um über 2021 nachzudenken.

Die Zahlen habe ich natürlich als erstes parat. Sie sind unumstößlich und eine Art Leitstern, um meinen Weg nicht aus den Augen zu verlieren. Ich habe 115.685 Wörter geschrieben. Das entspricht einem dicken oder zwei etwas dünneren Büchern. Die teilen sich auf ein paar Kurzgeschichten und zwei jeweils etwa zu 50% geschriebenen Romanen auf. Außerdem habe ich etwas mehr als 148 Stunden recherchiert, geplottet und überarbeitet. Das entspricht etwa 18 typischen Arbeitstagen à acht Stunden. Für mich sind es wohl eher etwas um die 50 Arbeitstagen, da ich selten länger als drei Stunden am Tag arbeite.

Wie ich am Montag bereits berichtete, ist mein geplantes Jahressoll grün. Allerdings sieht die monatliche Übersicht zu 2/3 rot aus. Die besten Monate waren der Januar (142 %), Februar (127 %), Juni (117 %) und November (337 %). Die schlechtesten Monate waren der Juli (nur 35 %) und der März (47 %). Dass ich im November richtig Gas gegeben habe, ist dem NaNo geschuldet. Wieso es in den meisten anderen Monaten so schleppend lief? Ich denke, es liegt an meiner Begeisterung für meinen Weihnachtsroman, die nach drei Monaten des Schreibens und dem Frühling vor der Haustür einfach verflogen war. Auch mein Eifer für Morpheus, der immer noch in der Planung steckt, obwohl ich schon so viele Stunden hineingesteckt habe, versandete, weil ich mit dem Roman nicht beginnen wollte, ehe ich mit dem Weihnachtsroman fertig bin. Jetzt ist beides nicht fertig und ich habe im NaNo einen völlig anderen Roman angefangen. Ich glaube, das hatte ich auch gebraucht. Nicht, dass ich mich mit den anderen beiden Projekten in eine Ecke manövriert hätte, aber ich beschäftigte mich schon so lange mit ihnen, dass ich Abwechslung von ihnen brauchte.

Aber das sind nur Zahlen und diffuse Gefühle. Was habe ich im vergehenden Jahr beim Schreiben erlebt? Wenn ich mir diese Frage stelle, ist mein Gehirn erst einmal wie leergefegt.

Langsam ploppt die Erinnerung daran auf, wie viel Freude ich dabei hatte, endlich meine vor zwei Jahren extra für diesen Zweck gekauften Tarotkarten auszupacken und meinen NaNo-Roman zu entdecken. Ich habe mich dabei an meine Teenagerzeit zurückerinnert, als ich noch an die Magie der Karten glaubte und wissen wollte, was die Zukunft für mich bereithält. Obwohl ich mir nur die Idee für einen Roman erhoffte, war der Moment definitiv auf seine Weise magisch. Die gesamte Entstehung dieses Romans steckt für mich voller Magie.

Dann ist da der Umzug vom Wohnzimmer ins Büro und somit an einen halbwegs anständigen Arbeitsplatz. Mein Schreibtisch war mit seinen 80 cm Breite und 45 cm Tiefe nicht wirklich geeignet, um einen 15 Zoll TFT und ein 15,6 Zoll Notebook neben ein paar anderen Sachen zu beherbergen. Trotzdem war es erst einmal eine extreme Erleichterung für mich, weil mich mein Notebook nicht mehr ständig daran erinnerte, dass ich arbeiten könnte oder sogar müsste. Heute habe ich einen größeren Schreibtisch mit vielen Extras. Ich gehe bewusst zum Arbeiten ins Büro und mache bewusst Feierabend. Noch übe ich, mich während meiner Arbeitszeit nicht so viel von anderen Dingen ablenken zu lassen, aber die Versuchungen sind hier geringer.

Wie oft hat Ghizmo mich bei der Arbeit besucht, schaute vom Boden verzweifelt zu mir auf und maunzte kläglich? Das Zeichen für mich, die Tastatur vom Schoß zu nehmen, damit er sich darauf kuscheln und von mir kraulen lassen konnte. Wie oft hat er mich dabei aus dem Schreibfluss gerissen? Viel häufiger hat er mich einfach nur noch mehr ausgebremst, als es mein langsames Hirn eh schon tat. Ich kann ihm dafür nicht böse sein. Er hängt an mir und ist nicht gerne allein. Es ist auch kein Problem mehr, seitdem ich meine Geschichten diktiere. Da kann ich „weiterschreiben“, während er genussvoll schnurrt. Nur beim Recherchieren, Plotten und Überarbeiten „stört“ er noch, wenn er sich seine Aufmerksamkeit verlangt. Dabei brauche ich einfach beide Hände frei, um Maus und Tastatur zu bedienen. Auf das Gefühl der Tasten unter den Fingern kann ich bei diesen Aufgaben nicht verzichten.

Was mir bitter aufstieß war die Erkenntnis, dass man beim Diktieren nicht naschen kann. Wenn ich ein Gummibärchen nach dem anderen in den Mund stecke, ist derselbe immer voll, sodass die Software mich eher schwer versteht. Ich mag mit vollem Mund auch gar nicht reden. Ich will dann die Süßigkeiten genießen. Das bedeutete für mich den Abschied meines geliebten Zuckers beim Schreiben. Den gibt es nur noch als Zusatz im Tee, wenn ich mir mal welchen koche. Meine Fettpolster weinen der alten Zeit immer noch hinterher. Die Waage findet es dagegen klasse.

Ach, da wäre auch noch mein teilweise erschüttertes Vertrauen in mein Unterbewusstsein. Wann immer ich auf eine Kurzgeschichtenausschreibung stieß, an der ich teilnehmen wollte, aber noch nicht wusste, was ich dafür schreiben könnte, hat mir mein Unterbewusstsein innerhalb weniger Wochen normalerweise eine Idee ausgespuckt. Dieses Jahr hat es sich geweigert. Mumien waren ihm zu trocken? Oder hat es generell eine Aversion gegen sie? Dabei sind sie hochinteressant. Nach nur etwas Recherche hatte ich genug Material, um damit gleich zwei Kurzgeschichten zu schreiben. Rückblickend bin ich sogar total erstaunt, in welcher Geschwindigkeit ich diese auch noch schrieb. Das ist zwar kein Indiz für deren Qualität oder Spannungsfaktor, aber es fühlte sich verdammt produktiv und erfolgreich an.

Ähnlich war es bei der Überarbeitung von Drachenherz. Was habe ich mich anfänglich damit gequält! Überarbeiten war mir von Anfang an die verhassteste Aufgabe am Autorendasein. Das änderte sich enorm, als ich erst einmal die Hälfte dieses Romans durch hatte. Dabei gab es noch so viele Szenen zu ergänzen, was mich zusätzliche Zeit kostete. Es ist immer noch nicht meine liebste Arbeit, aber ich habe meinen Frieden mit ihr gemacht. Ich verabscheue sie nicht und ich habe auch keine Angst mehr vor ihr. Ein wenig kann ich mich sogar darauf freuen, zu sehen, wie meine Geschichten dadurch besser werden. Dafür bin ich 2021 dankbar. Das ist eine wertvolle Lektion.

Ich könnte mit meinen Geschichten wohl den Abend bis Mitternacht füllen. Wenn mein Gehirn erst einmal angefangen hat, das Jahr zu reflektieren, kommen die schönen Erinnerungen immer schneller. Aber ich will dich zu deinen Lieben zurückkehren lassen, mit denen du hoffentlich Silvester verbringst. Ich wünsche dir einen guten Rutsch und bis dahin vielleicht auch etwas Zeit, um über 2021 nachzudenken. Es war nicht alles schlimm. Versprochen.

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