Mittwoch, Dezember 01, 2021
Bücher

Leserückblick August

Im letzten Monat habe ich fast drei Bücher gelesen. Das letzte war jedoch ein so dicker Wälzer, dass ich ihn leider erst im September beenden konnte. Daher stelle ich diesen Monat nur zwei Bücher vor, über die ich mich jedoch sehr freue.

Zunächst las ich von Lin Rina „Animant Crumbs Staubchronik“ aus dem Drachenmond Verlag. Das Buch ist 558 Seiten stark und doch zu dünn. Nicht, weil die Geschichte zu kurz käme, sondern weil ich die Figuren so gerne noch weiter begleitet hätte.
Der Roman spielt 1890. Animant lebt in einem Vorort von London und tut es auch nicht. Denn ihre Welt befindet sich in Büchern, da die Realität sie anödet oder nervt. Ihre Mutter nervt sie mit langweiligen Bällen, auf denen sie, eingeschnürt in ein Korsett, unbequeme Kleider tragen und dumme Konversationen ertragen muss. Für Animant, die sich durch die vielen verschlungenen Bücher für klüger und weltoffener hält als der Landadel, ist es die Hölle. Da kommt es ihr gerade recht, dem Ganzen zu entfliehen und in London die Anstellung einer Bibliothekarsassistentin anzutreten.
Zunächst einmal finde ich den Stil der Autorin sehr angenehm. Er ist flüssig, nicht zu blumig und trotzdem nicht trocken. Genau die richtige Mischung für mich. Die Figuren sind prima gezeichnet. Jeder besitzt richtige Charakterzüge, selbst wenn sie nur in kleinem Rahmen vorkommen können. Bei Animants Mutter musste ich genauso wie Animant die Augen verdrehen über deren Hang, ihre Tochter zwanghaft verkuppeln zu wollen. Elisa ist in dem ganzen Adelsgeflecht eine erfrischende Ausnahme, da sie aus der Arbeiterklasse stammt. Mr Boyle ist wirklich charmant und zuvorkommend, doch jeder Mensch hat seine Schattenseiten. Und dann sind da Animant und der Bibliothekar Mr Reed, die einfach komplett aus der Rolle fallen, auf ihre Weise unhöflich sind und sich durch die Geschichte hinweg angiften, beleidigen und zurechtweisen. Gerade mit Animant konnte ich mich daher unheimlich gut identifizieren. Ab der zweiten Klasse war ich so in Bücher vernarrt, dass ich auch ständig überall mit der Nase in ihnen zu sehen war. Meine eigene Bibliothekarin war dem Verzweifeln nahe, weil ich oft wöchentlich sechs neue Bücher auslieh, die ich in der folgenden zurückbrachte. Bei einer beschränkten Kinderabteilung ein Alptraum.
Das Wörtchen Staubchronik im Titel und der Klappentext führten mich über den Inhalt ein wenig in die Irre, obwohl dort etwas von Gefühlen steht, die Animant bisher nur aus Büchern kennt. Gibt viele Geschichten, die irgendwann auch eine amouröse Richtung annehmen. ABER, Himmel (!), das hier ist ein ausgewachsener Liebesroman. Ab einem gewissen Moment konnte ich kaum aufhören, über diese tollen romantischen Szenen zu seufzen, und so langsam sollte jedem klar sein, dass meine romantische Ader ziemlich verstopft ist und dringend einen Katheter zwischen Herz und Hirn benötigt. Wo ich in der Realität jeder kleinsten Romantik aus dem Weg gehe, weil ich nicht weiß, wie ich damit umgehen soll, bin ich in der Romantik dieses Romans zerflossen. Dieses Buch werde ich hoffentlich bald erneut lesen, denn ich habe es so schnell verschlungen, dass mir sicher einige Gründe fürs schwärmerische Seufzen entgangen sind. 😍

Anschließend las ich die Anthologie „The U-Files – Die Einhorn Akten“, erschienen im Talawah Verlag. Hier werden in 23 Kurzgeschichten die Einhörner durchleuchtet.
Dieser erste Teil der Files-Reihe ist deutlich kürzer als die beiden nachfolgenden. Vielleicht zweifelte der Verlag da noch an deren Erfolg. Finde ich schade, denn mit 376 Seiten ist dieser Teil zu kurz für mich. Ich hätte gerne noch weitere Einhorngeschichten gelesen. Am besten gefiel mir die, in der die Evolution der Zebras thematisiert wird. Aber es gab auch keine, die ich wirklich blöd oder gar schlecht fand. Anthologien sind wie Pralinenschachteln, aber ich habe meistens Glück damit. 🙂

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