Kategorie: NaNoWriMo

NaNoWriMo – Tag 13

Heute habe ich etwas länger gearbeitet und komme somit auf 2.291 Wörter. Laut der offiziellen Homepage des NaNoWriMos werde ich bei meinem aktuellen Tempo immer noch erst am 27.11.2021 die 50.000 Wörter schaffen. Dabei gebe ich mir so viel Mühe, noch schneller und noch mehr zu schreiben. Ich möchte einfach unheimlich gerne schon viel früher mein Ziel erreichen. Das liegt wahrscheinlich daran, dass ich weiß, dass es Autoren gibt, die die 50.000 Wörter innerhalb weniger Tage schaffen. Gestern ist mir tatsächlich aufgefallen, dass einige meiner Schreibbuddys, mit denen ich auf der offiziellen Homepage des NaNoWriMos vernetzt bin, das Ziel bereits erreicht haben. Mir war von Anfang an klar, dass ich nicht nach zwei Wochen fertig sein würde. Trotzdem fuchst es mich, dass ich gerade erst bei rund 48 % angekommen bin. Ich weiß selbst, dass ich vernünftig bleiben muss. Mein Tempo ist nun einmal langsamer. Dafür sind meine Rohfassungen in der Regel schon recht gut. Dennoch fällt es mir schwer, die Unterschiede zu akzeptieren.

Es geht weiter mit Kapitel 8, das kurz genug ist, dass der Schnipsel fast alles sagt. Nachdem Königin Limana den Bedürftigen geholfen hat, trifft sie sich mit Servan, einem armen Schlucker, der in der Hauptstadt lebt, in einer dunklen Gasse.

Limana ahnte, worauf Servan hinauswollte. Sie wollte es nicht hören. (…) Dann musste sie sich nicht mit dieser Möglichkeit auseinandersetzen. Es wäre zu schmerzhaft, vernünftig zu bleiben. Sie öffnete den Mund, um ihn zu unterbrechen.
»Nein, sag nichts. (…) Lass mir einen Moment die Illusion, dass alles gut wird.«
Limana glaubte, ihr Herz würde zerspringen. (…) Mit Tränen in den Augen nickte sie.
»(…) Lass uns fortgehen. In zwei Tagen können wir bei unseren Nachbarn sein. (…)«
Sie küsste Servan liebevoll und wünschte sich, die Zeit könne einfach stehen bleiben. Schließlich löste sie sich von ihm und antwortete: »Du verstehst sicher, dass ich dir darauf nicht sofort antworten kann. Ginge es nur um uns beide, würde ich dir sofort folgen. Aber ich muss auch an meine Kinder denken.«
Kaum hatte sie es ausgesprochen, bereute sie bereits ihre Worte. Ankor würde sie nie aufgeben. (…) Er würde sofort wissen, dass sie ins Nachbarreich zu fliehen versuchten. (…) Sie würden die Grenze nicht erreichen.
Servan umarmte sie. (…) »Ich habe dich zu lange aufgehalten. Kehre jetzt in das Schloss zurück, ehe der König deine Abwesenheit bemerkt. Aber vergiss mich nicht. Denk immer daran, dass ich dich liebe.«
Limana nickte und schluckte, um den Kloß aus Tränen in ihrem Hals zu vertreiben. »Ich liebe dich ebenfalls«, wisperte sie und eilte in die Dunkelheit davon. Zu groß war die Angst, dass sie sich sonst nicht würde von ihm trennen können.

Kapitel 9 ist tatsächlich so kurz, dass ich es komplett schnipseln kann.

Firat lief aufgebracht durch den kleinen Salon. »Diese verfluchten Zwillinge! Ständig kommen sie mir in die Quere. Ich hatte Ankor bereits so weit. Er hatte ganz klar verkündet, gegen Ciner in den Krieg zu ziehen. Dort wäre es mir ein Leichtes gewesen, ihn während des Schlachtgetümmels umzubringen. Niemand hätte etwas davon bemerkt, bis wir uns zurückgezogen hätten. Wir wären ohne ihn zurückgekehrt. Lawin ist nicht stark genug, um sich gegen mich zu behaupten. Er hätte mir die Macht freiwillig übergeben. Anschließend wäre es ein Kinderspiel gewesen, ihn und den Rest seiner unsäglichen Familie aus dem Weg zu schaffen. Aber nein, mein Bruder muss seine Generäle hinzuziehen. Es ist mir schleierhaft, wie es diesen Kindern gelungen ist, ihn von seinem Vorhaben abzubringen.«
Er blieb bei dem Beistelltischchen stehen und goss sich Wein in einen Becher. Er stürzte ihn in einem Zug hinunter und schenkte sich erneut ein. Nachdenklich schaute er in die rote Flüssigkeit, als würde er darin die Antwort auf seine Probleme finden.
»Es ist bedauerlich, dass sich keine der Magierrinnen auf meine Seite schlagen wollte«, murmelte er. »Für eine von ihnen wäre es ein Leichtes gewesen, den König auf unauffällige Weise zu beseitigen. Mit dem richtigen Gift wäre niemandem aufgefallen, dass da etwas nicht mit rechten Dingen zugeht.«

Anschließend geht es mit Kapitel 10 weiter. Nalin soll sich in der Magie üben, nachdem sie ja ihren magischen Gegenstand gefunden hat. Gemeinsam mit Sahan sollte es hier eigentlich leichter fallen, die Magie zu beherrschen. Das Stroh pfeift jedoch darauf, sich von ihr entzünden zu lassen, und das Wasser gefriert lieber zu Eis, als zu kochen. Der Gelehrte bricht den Unterricht ab und schickt Nalin weg. Sie soll alleine üben. Er hofft, dass es ihr dann gelingt, wenn niemand zuschaut. Nalin ist ein anderer Gedanke gekommen. Sie weiß, dass Sahan nicht wirklich ihr Gegenstand ist. Allerdings ist ihr schleierhaft, wie die Magier ihre Verstärker finden konnten. Schließlich ist die Welt verdammt groß. Sie glaubt, dass die Götter ihnen geholfen haben. Jetzt will sie ihre Mutter nach der Quelle fragen, an der sie immer um Beistand für ihre Familie bittet, um dort womöglich Antworten zu finden.

NaNoWriMo – Tag 12

Hier kommt eine kleine Entschädigung für die toten Pinselkatzen von gestern. Leider erst recht spät, weil ich fast den ganzen Tag unterwegs war. Dafür bin ich heute wegen meiner vorerst liebsten Szene auch schnell fertig geworden und schaue stolz auf immerhin 1.690 neue Wörter.

Wir erleben direkt, wie es weitergeht, nachdem Nalin den Sack mit den toten Pinselkatzen gefunden hat.

Es schien sich um das Muttertier mit ihren Jungen zu handeln. (…) Die kleinen Plagegeister konnten keine zwei Monate alt sein (…). Ein Tier nach dem anderen brachte sie zum Wurzelballen des größeren umgestürzten Baums (…). Das vorletzte Tier ließ sie erschrocken fallen, als es bei ihrer Berührung ein heiseres Miauen von sich gab. Sie verfluchte ihre Schreckhaftigkeit und bückte sich zu dem zitternden Fellknäuel hinab.
»Armes kleines Würmchen«, flüsterte sie ihm zu. »Da haben deine Artgenossen jemanden wohl einmal zu oft geärgert.«
(…) Sie (…) bedeckte (die Tiere) mit Erde und Steinen (…). Anschließend kehrte sie zu dem überlebenden Pinselkatzenwelpen zurück. Vorsichtig hob sie es auf und drückte es an ihren Bauch, um es zu wärmen. (…)
Ihre Gedanken kreisten um das Pinselkatzenjunge und dem, was sie über magische Verstärker gelernt hatte. Sie fühlte sich ganz normal, spürte lediglich eine gewisse Zuneigung für das Tier. (…)
Sie betrachtete das Kleine (…). Sein Fell war silbern getigert und weiß. (…)
Das Würmchen wird (…) nicht überleben können. Vater wird mir nicht erlauben, es zu behalten, wenn ich ihm keinen guten Grund nennen kann. Wenn ich es als meinen tierischen Verstärker ausgebe, wäre uns beiden geholfen.
(…) Sie hob das Kleine hoch, um sein Geschlecht herauszufinden. (…) Es handelte sich bei dem Welpen um einen Pinselkater.
»Sahan«, murmelte sie vor sich hin. Dieser Name erschien ihr passend für den Kleinen.

Sie rennt mit Sahan zu Kender, weil sie Hilfe braucht, um den Kleinen durchzubringen. Der glaubt ihr natürlich nicht, dass der Pinselkater ihr Gegenstand ist. Er kann ihr aber auch nicht das Gegenteil beweisen. Er hilft ihr also. Zuhause bricht die Hölle auf. Ihre Mutter will das Tier nicht in ihrer Nähe haben. Sind eben Schädlinge. Kaum hat Nalin sie halbwegs überzeugt, wirft ihr Vater sie aus der Hütte. Das führt dazu, dass Nalin darüber nachdenkt, das Dorf zu verlassen und in eine Stadt zu ziehen. Als Magierin kann sie das tun. Vorher hätte ihre ganze Familie umsiedeln müssen. Damit endet Kapitel 7.

NaNoWriMo – Tag 11

Heute will ich mir wieder ein wenig Zeit für mich gönnen. So ein Schreibmarathon ist nicht leicht und gestern war ein langer Tag gewesen. Deshalb mache ich schon jetzt Schluss. Für 1.726 Wörter hat es dennoch gereicht.

Darin kommt folgendes vor:

Nalin kommt mit leeren Händen zum nächsten Unterricht. Hat ja keiner behauptet, dass man seinen Verstärker gleich am ersten Tag finden muss. Kender scheint jedoch eher zu glauben, dass sie gar nicht gesucht hat. Er hält also noch einmal einen ausführlichen Vortrag über die Wichtigkeit des Gegenstands und woran sie ihn erkennt. Dabei lässt er fallen, dass diese Gegenstände in seltenen Fällen auch Tiere sein können. Nalin hat sich gedanklich bereits am Anfang des Vortrags verabschiedet, wird jetzt aber hellhörig. Sie fragt nach und erfährt, dass das sicher ein Fehler in den Überlieferungen sein muss, da das schon ewig nicht mehr passiert ist. Tierische Verstärker sollen ja auch stärker als normale Gegenstände sein. Das muss ein Märchen sein. Nalin will so unbedingt etwas Besonderes sein, dass sie will, dass das Märchen wahr ist. Sie will seit langer Zeit die erste Magierin mit einem tierischen Verstärker sein. Kender wechselt das Thema zur Ethik. Schließlich muss Nalin wissen, wann es richtig ist, ihre Magie einzusetzen und wofür. Nach etwa einer halben Stunde des Diskutierens setzt mein Schnipsel ein.

Nalin schwirrte bereits jetzt der Kopf (…). Eine Stunde später fühlte sich ihr Schädel an, als wäre er mit Stroh und Ameisen gefüllt. Sie zweifelte, für den Rest des Tages auch nur einen geraden Gedanken zustande bringen zu können. Immerhin war sie noch in der Lage dazu, sich über das Ende des Unterrichts zu freuen. Sie strebte zum Bach, um sich an ihrem Lieblingsplatz eine Pause zu gönnen. Das Murmeln der Strömung würde ihr hoffentlich die Gehirnwindungen entknoten.
Nalin wand sich durch die Büsche und stieg auf den Baumstamm. Sie balancierte zur Mitte des Wasserlaufs, um es sich dort auf dem Stamm gemütlich zu machen. Stattdessen erregte etwas in den Wurzeln des Baums ihre Aufmerksamkeit. Vorsichtig lief sie auf das Ende zu und sprang beherzt ans Ufer.
Aus der Nähe erkannte sie einen Sack, der sich in den Wurzeln verheddert hatte. Neugierig entriss sie dem toten Holz das Gewebe und öffnete den erstaunlich schweren Beutel. Augen ohne jeglichen Glanz starten ihr entgegen. Erschrocken ließ sie den Sack fallen. Der Anblick ließ sich nicht so leicht abschütteln.
Ich weiß ja, dass diese Pinselkatzen eine wahre Plage sind. Ich musste sie oft genug von den Feldern vertreiben, wo sie auf ihrer Jagd nach Feldmäusen die gesamte Ernte zu zerstören drohten. Aber das ist doch noch lange kein Grund, sie in einen Sack zu stecken und in den Bach zu werfen.

Da hat Nalin einen äußerst unerfreulichen Fund gemacht. Ich freue mich dafür umso mehr. Morgen kommt mein geheimer Liebling der Geschichte endlich vor

NaNoWriMo – Tag 10

Heute lief es ziemlich zäh. Ich habe nur fünf Stunden geschlafen und war ab 12:00 Uhr so müde, dass ich mich am liebsten hingelegt hätte. Dank NaNo war das keine Option. Ich habe mich also wacker durch meine Geschichte gekämpft und schließe den Tag mit 1.750 Wörtern ab. Das reicht! Mir fällt jedoch auch gerade auf, dass mit Tag 10 auch das erste Drittel des Monats vorbei ist. Irgendwie ging das erstaunlich schnell. Erfahrungsgemäß ist das aber immer so. So richtig zäh vergehen erst die letzten sieben Tage.

In dem etwas mehr als einen Kapitel ist folgendes passiert:

Kender erklärt den Unterricht für beendet und Nalin haut erleichtert ab. Sie ist einfach nur müde von dem langen Monolog des Gelehrten. Sie beschließt, an die Stelle im Wald zurückzukehren, wo der Brand aufgrund ihrer Magie entstand. Sie will sich dort umsehen und hofft, ihren Gegenstand dort zu finden. Sie trifft auf Orin, der ihr gratuliert und sie – oh Wunder! – heiraten will. Damit endet Kapitel fünf.
In Kapitel sechs lernen wir Prinzessin Medya kennen. Sie sitzt mit ihrer Mutter im Turmzimmer und stickt. Das ödet sie total an. An dieser Stelle setzt mein Schnipsel ein.

Ihre Augen folgten den Regentropfen in den Hof, wo ihre beiden Brüder sich im Schwertkampf maßen. Sie standen fast knöcheltief im Matsch und kämpften nicht nur gegeneinander, sondern auch mit dem Gleichgewicht. Ihre Kleidung, Hände und Gesichter zierten matschbraune Sprenkel. Tahsim und Rebwar waren aufgrund der einsetzenden Dämmerung und dem Dreck nur dank ihrer blonden Haare vom Boden zu unterscheiden. Einer von ihnen rutschte aus und landete mit dem Rücken im Schlamm. Es fiel Medya schon aus der Nähe schwer, ihre Brüder auseinanderzuhalten. Aus der Entfernung konnte sie nicht feststellen, wem das Missgeschick passiert war. Der andere stemmte die freie Hand in die Seite und schien (…) zu lachen. Ihr am Boden liegender Bruder stemmte sich in eine sitzende Position, griff in den Matsch und warf ihn beherzt nach seinem Kampfgefährten. Medya unterdrückte ein Kichern. Sie wollte nicht die Aufmerksamkeit ihrer Mutter auf sich lenken, die sie dazu auffordern würde, sich wieder ihrer Stickerei zu widmen. Viel lieber wollte sie ihre Brüder weiter beobachten. Der Glücklichere von ihnen wischte sich den Schmutz aus dem Gesicht und warf sein Schwert zur Seite. Mit vorgestreckten Händen stürzte er sich auf seinen am Boden sitzenden Bruder und fing eine ausgedehnte Keilerei an. Medya umfasste die Nadel stärker. Bei dem Anblick ihrer wilden Brüder fiel es ihr schwer, ruhig sitzen zu bleiben. Viel lieber wollte sie die Treppen hinunterlaufen und sich dem Faustkampf anschließen.

Wir lernen noch mehr von Medyas Gedanken- und Gefühlswelt kennen, ehe ein Diener ihre Brüder ins Schloss ruft. Sie vermutet, dass ihr Vater nach ihnen geschickt hat, und wüsste jetzt zu gerne, was er von ihnen will. Damit endet Kapitel sechs …

… und für mich ein langer Tag.

NaNoWriMo – Tag 9

Ich habe einen neuen Rekord im diesjährigen NaNo geschafft! Heute habe ich ganze 2.315 Wörter geschrieben! Ich denke, ich bin im Roman angekommen und gewöhne mich auch endlich wieder an das tägliche Pensum.
Auch mein Puzzle nimmt langsam Formen an. Bei 3.000 Teilen dauert es aber noch ziemlich lange, bis ich für alle ihren Platz gefunden habe.

Heute habe ich auch zwei Schnipsel für dich im Gepäck.

Kender hat Nalin auf die Zeremonie vorbereitet. Auf dem Marktplatz wird ihr das Mondsymbol in die linke Schläfe geritzt. In die Wunde wird Pulver von Lapislazuli eingerieben, das mit ihrer Magie reagiert, sodass es am Schluss wie in ihre Haut gegossen aussieht. Anschließend fängt er bei „Adam und Eva“ an, weil er weiß, dass Nalin früher im Unterricht nicht groß aufgepasst hat.

»Einst reisten die Göttin Hiva und der Gott Loran durch das Nichts des Nachthimmels. Es existierten keine Sterne, keine Sonne und kein Mond. Sie liebten sich und eine Weile war das genug. Doch in der Mutter reifte der Wunsch nach mehr. Sie wollte nachkommen, um die sie sich kümmern konnte. Der Vater baute ihr daraufhin mit seiner Streitaxt eine Wiege für ihre Kinder, erschuf den Planeten und die Sterne. Die Mutter gebar die Tiere und Menschen. Gemeinsam lebten sie glücklich. Mit der Zeit gab es immer mehr Menschen. Ihre Bedürfnisse überstiegen das, was die Götter zu geben imstande waren. Die beiden beratschlagen sich und entschieden, dass sie einen Teil ihrer Macht auf geeignete Menschen übertragen. Sie hofften, damit allen gerecht zu werden. Es dauerte nicht lange, bis auch diese Lösung nicht mehr genügte. Hiva und Loran überlegten, noch mehr Menschen ihre Macht zuteilwerden zu lassen. Sie kamen jedoch zu dem Schluss, dass nicht alle diesem Geschenk würdig waren. Stattdessen wollten sie ihnen eine andere Gabe überlassen. Von nun an sollten sie sich selbst versorgen können, indem sie sich die Tiere und den Planeten untertan machten. Viele Menschen reagierten unzufrieden, da dies zugleich das Ende ihres angenehmen Lebens bedeutete. Die Götter erkannten, dass sie auf dem Planeten keine Ruhe finden konnten. Sie erhoben sich in den Himmel und wandern seitdem in Gestalt des Mondes und der Sonne am Firmament entlang. (…)«

Anschließend geht es mit einem Geheimnis weiter.

»Es ist ein Geheimnis, das streng gehütet wird. Wir Gelehrte wissen nur darüber Bescheid, weil wir unsere Schützlinge darüber informieren müssen. Sonst wissen nur Magier und Magierinnen sowie der König und ein enger Kreis um ihn herum davon. Alle Magiebegabten führen einen Gegenstand mit sich, zu dem sie eine besondere Verbindung haben. Er verstärkt ihre Zauber. Ohne ihn sind sie nur zu kleinen, anspruchslosen Zaubern fähig. Du darfst niemandem davon erzählen! Wenn sich das herumspricht, könnten schlechte Menschen Magier und Magierinnen ausrauben, in der Hoffnung, ihnen zugleich ihren Gegenstand abzunehmen und sie somit annähernd wehrlos zu machen. Sie wären erpressbar und die Ordnung würde ins Chaos stürzen.«
Seine Worte beunruhigten Nalin. Sie hatte stets gedacht, dass Magiebegabte unbesiegbar seien. Zu hören, dass auch sie eine Schwachstelle besaß, zerstörte einen Teil ihres Selbstvertrauens.
»Nalin, dieser Gegenstand kann alles sein. Eine Eichel, ein Stein, eine Feder oder sogar ein Schmuckstück.« Kender brach ab und schien plötzlich in weiter Ferne mit seinen Gedanken zu sein.
Nalin wartete stumm darauf, dass er fortfuhr. Eine unerklärliche Spannung drang durch ihren Körper, als wüsste etwas in ihr, dass dieser Teil seiner Ausführungen wichtig war.

Ich freue mich ja schon unheimlich auf den Moment, wenn Nalin ihren Gegenstand findet. Natürlich findet sie ihn, aber ich verrate nicht, was es ist.

NaNoWriMo – Tag 8

Heute bin ich schon früh fertig. Wieder Tagessoll und etwas mehr erfüllt. Eigentlich wollte ich heute noch mehr schreiben, aber ich bin gestern Abend nicht direkt eingeschlafen und deshalb etwas müde. Nachdem ich am Wochenende insgesamt mindestens fünf Stunden gearbeitet habe, freue ich mich jetzt auch auf etwas Freizeit. So ein NaNo ist eben doch anstrengend.

Vorher bringe ich dich noch auf den neuesten Stand:

Toran und die Zwillinge kamen noch auf das Thema Traumfrau zu sprechen. Sie haben relativ unterschiedliche Anforderungen an ihre zukünftigen Frauen. Dummerweise haben die Zwillinge bei der Wahl ihrer Frauen kein Mitspracherecht, da ihr Vater ihnen wohl politisch förderliche Ehen verpassen wird. Toran sollte sich erst eine Frau zulegen, wenn er nicht mehr im Schloss verweilen muss. Er müsste sonst um die Sicherheit seiner Frau bangen, die der König sicher als Pfand für seine Loyalität nutzen würde. Die Situation verhagelt den dreien den schönen Abend.
Kender wird schon am frühen Morgen von seiner Lektüre Weg geholt. Nalins Vater steht vor seiner Tür und und macht Kender Vorwürfe, er habe Nalin Flausen in den Kopf gesetzt.

Kender hob hilflos die Hände. »Du weißt ebenso gut wie ich, dass sie in dieser Hinsicht auf niemanden hören wird.«
»Dann bestärke sie nicht noch in ihrem Tun! (…) Sag ihr, dass das alles ein Missverständnis war. Solange sie glaubt, sie sei von der Göttin auserwählt worden, wird sie sich nicht ändern. Aber wenn sie merkt, dass alles ein Irrtum war, könnte sie sich doch noch besinnen und endlich den richtigen Weg einschlagen.«
Kender knirschte mit den Zähnen und rang um seine Fassung. Destan mochte gute Absichten verfolgen, doch er verlor dabei das Wesentliche aus den Augen. (…)
»Destan, sie ist von der Göttin auserwählt. (…) Was denkst du, was geschieht, wenn ich Nalin anlüge und sie ohne Anleitung ihre Magie entdeckt? Ich kann deine Sorgen verstehen. Normalerweise wählt die Göttin mit mehr bedacht aus, wem sie diese Macht schenkt. Aber es ist nun einmal so gekommen. (…) Womöglich stellt sich diese Entwicklung sogar als positiv für Nalins Entwicklung heraus. Sie muss jetzt einfach lernen, Verantwortung zu tragen.«
»Ich hatte dich für klüger gehalten«, knurrte Destan.
»Es schmerzt mich, dass ich dich enttäusche. Dennoch bin ich der Meinung, dass es das Richtige ist.«
Destan wandte sich ohne einen Gruß ab. Kender atmete auf. Diese Schlacht hat er gewonnen. Aber auch er hegte starke Zweifel daran, dass Nalin den hohen Ansprüchen an eine Magierin gewachsen war.

NaNoWriMo – Tag 7

Hach ja, welch Sakrileg, ich sabotiere meinen heiligen Sonntag. 😄 Aber nur so bleibe ich im Soll. Ist auch nicht schlimm. Ich bin für heute schon fertig und auch mein Puzzle ist angewachsen. Ich freue mich jetzt trotzdem über etwas Freizeit, ehe es schon bald wieder ins Bett geht. Vorher möchte ich dir jedoch noch ein Leckerchen dalassen.

Nalin macht sich mächtig Sorgen, als sie nach Hause geht. Schließlich siegt jedoch ihre Natur und sie erkennt, dass ihr nichts Besseres passieren konnte. Als Magierin kann man ihr nicht mehr vorschreiben, wen sie heiratet. Aufgrund der besonderen Stellung der Magier in der Gesellschaft, ist es recht wahrscheinlich, dass sie jetzt eine gute Partie für sich finden wird. Und ihrem Vater bleibt eigentlich gar nichts anderes übrig, als sie endlich zu respektieren. Der denkt aber gar nicht daran, solange sie nicht die Tätowierung einer Magierin an der Schläfe trägt. Die muss Kender erst bei ihrem Lehensherrn beantragen. Tja, es gibt ein Register für Magier. Man will als König schließlich wissen, wen man im Auge behalten sollte. 😉

Wir wechseln jetzt in Torans Sicht. Er sitzt mit den Zwillingsprinzen in einer Wirtschaft.

Toran kam gerne her, erst recht in Begleitung der Zwillinge. Die Prinzen waren seine besten Freunde. Ihnen verdankte er, dass ihn sein Aufenthalt im Schloss als königlicher Beamter nicht zum Verzweifeln brachte. Er hoffte, dass seine Eltern mit seiner Abwesenheit ebenso gut zurechtkamen. Allerdings fiel es ihm schwer, das zu glauben. Immerhin wusste jeder Adlige, was hinter der Arbeit ihrer Söhne im Schloss steckte.
Bei dem Gedanken verkrampfte sich seine Hand um den Henkel seines Bierkrugs. Sie waren Geiseln des Königs. Dazu bestimmt, ihre Väter gefügig zu halten. Die unausgesprochene Drohung, dass der älteste Sohn der Adelsfamilie, die ihre Treue brach, noch am selben Tag sterben würde, genügte, um dem König die Macht zu erhalten.
»Denkst du schon wieder an deine Eltern?«, fragte Tahsim. (…) »Du brauchst nichts zu sagen. Ich sehe es dir an. Du hast wieder diesen besonderen Ausdruck im Gesicht, den du immer hast, wenn du an dein Zuhause und diese ganze Situation denkst. Lass es bleiben. Es führt zu nichts. Eines Tages kannst du zurückkehren. (…)«
»Ja, wenn mein Vater sich entweder nicht mehr um die Belange unserer Familie kümmern kann oder tot ist. Die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass ich ihn nie wiedersehen werde.«
»Es ändert nichts daran, wenn du dir Sorgen machst. Akzeptiere es und lebe dein Leben, solange du es kannst. Es ist kurz und gefährlich genug. Du kennst unseren Vater«, meinte Rebwar.

Er hat es wirklich nicht leicht. Ich mag ihn deswegen auch ganz besonders. Und er ist ein echtes Sahneschnittchen.

Wieder das Soll erfüllt. Ich hoffe jetzt nur, dass ich in der nächsten Woche mehr schaffe, damit ich den NaNo schneller abschließen kann. Ich will einfach nicht am Wochenende arbeiten. Aber nur ein paar Alibiwörter reichen mir auch nicht.

NaNoWriMo – Tag 6

Ich war fleißig und habe mein tägliches NaNo-Soll erfüllt. Die Statistik sagt, dass ich am 27. November 2021 mit meinen 50.000 Wörtern durch sein werde, sollte ich das bisherige Schreibtempo beibehalten. Das ist doch schon mal eine nette Aussicht. Zwei Tage mehr, die ich nutzen kann, um dem tatsächlichen Ende meines Romans näher zu kommen.

Heute habe ich während des Diktats mit einem Puzzle begonnen. 3.000 Teile. Daran werde ich eine ganze Weile sitzen.
Zur Belohnung meines Durchhaltevermögens lacht mich auch eine ganz besondere Zahl an. Mein Roman ist mittlerweile 10.914 Wörter lang, was bedeutet, dass das erste Fünftel geschafft ist. So schnell war ich noch nie. Dabei beobachte ich wieder einmal, wie andere Autoren 2.000 oder gar 5.000 Wörter am Tag schreiben. Ich beruhige mich damit, dass sich in den vergangenen Jahren die Erfahrung gemacht habe, dass mein Tempo ausreicht, um das NaNo-Ziel zu erreichen. Das ist die Hauptsache!

Aber ich will dich nicht länger zappeln lassen. Hier folgt eine kurze Zusammenfassung, was bisher geschehen ist, und ein kleiner Schnipsel.

Nalin hat es nicht geschafft, die Feder schweben zu lassen. Jedenfalls nicht so, wie es angedacht war. Die Feder stand plötzlich in Flammen, weil Nalin die Geduld verlor. Durch die Thermik hob die Feder kurz ab, ehe sie verkokelt wieder auf dem Boden landete. Na ja, Test so semi-bestanden. Immerhin ist klar, dass das nur mit Magie möglich war. Der Gelehrte knallt ihr dann die Anweisungen zum Umgang mit magiebegabten Personen in der Ausbildung um die Ohren. Auf nüchternem Magen und nachdem Nalin Magie gewirkt hat, ist das zu viel für sie. Sie wird ohnmächtig. Kender ist so nett, ihr etwas zu geben, und er will auch mit ihrem Lehensherrn sprechen, damit der die Familie etwas unterstützt. Es wäre verantwortungslos, Nalin auszubilden, wenn sie ständig Hunger hat. Zugleich wäre es falsch, wenn der Rest der Familie wegen ihr noch mehr Hunger leiden müsste. Er ist schon sehr korrekt, der gute Kender. Er schickt sie nach Hause, damit sie sich noch etwas ausruhen kann. Dort wartet allerdings der Mist, den sie eimerweise zum Feld schleppen soll. Hier setzt mein Schnipsel an.

»Mein Vater wird außer sich sein«, stellte sie fest. »Er wird glauben, dass ich ihn anlüge. Er hält mich sowieso schon für faul und verwöhnt.« Bitterkeit stieg aus ihrem Bauch empor und brannte in ihrer Kehle.
Kender bedachte sie mit einem Blick, der sie mehr verletzte, als sie für möglich gehalten hätte. Offenbar dachte er nicht viel anders von ihr.
Er sah zum Fenster hinaus, als er ihr antwortete: »Das Leben der Magier ist nicht einfach. Die Menschen kommen zu ihnen und bitten um Rat. Es wird sich jetzt einiges für dich ändern. Harte Arbeit mag für dich der Vergangenheit angehören, dafür liegt jetzt das Schicksal vieler Menschen in deiner Hand. Sie werden dir als Magierin blind vertrauen. Es wird vorkommen, dass du an Gerichtstagen um deine Meinung gebeten wirst. Du musst jetzt lernen, das Vertrauen deiner Mitmenschen zu gewinnen und sie nicht zu enttäuschen. Sieh die Konfrontation mit deinem Vater als erste Übung dafür an.«
Das war nicht die Antwort, die Nalin sich erhofft hatte. Vielmehr hatte sie damit gerechnet, dass der Gelehrte sie nach Hause begleiten und die Situation erklären würde, damit kein Zweifel aufkäme.
»Ich verstehe, dass du zögerst. Allerdings wird sich an deiner Situation nichts mehr ändern. Je eher du dein Schicksal akzeptierst, umso schneller wird man auch dich akzeptieren.«

Damit hat Kender Nalin eine ziemliche Nuss zu knacken mitgegeben. Sie überlegt jetzt erst einmal, was sie von dieser neuen Situation halten soll.

NaNoWriMo – Tag 5

2.292 Wörter! Ich freue mich gerade tierisch! Ich wusste ja, dass ich heute mehr Zeit zum Schreiben habe. Ich hatte auch vor, deutlich mehr zu schreiben. Dass ich innerhalb von weniger als vier Stunden, inklusive Pause!, wirklich so viel schreiben würde, hatte ich dann doch nur gehofft, aber nicht erwartet.

Zwischendurch habe ich mein Strickzeug geholt. Mir war danach, die Finger zu bewegen. Was bietet sich da besser an, als das Nadelspiel für Socken tanzen zu lassen? Hat einen ähnlichen Effekt wie das Herumlaufen im Büro. Ich kann nicht darauf achten, was mein Computer aus dem, das ich diktiere, macht, und ich komme nicht in Versuchung, die Verständnisfehler direkt zu korrigieren. In der Regel weiß ich ja, was ich in den letzten Stunden erzählt habe, sodass ich die Fehler im Anschluss des Schreibprozesses gut berichtigen kann. Ich muss es allerdings am selben Tag tun, sonst weiß ich in ein paar Wochen wirklich nicht mehr, was ich ausdrücken wollte. Dazu habe ich auch gleich noch etwas für dich!

Jetzt folgt erst einmal der tägliche Schnipsel:

Nalin hat keine Ahnung, was der Gelehrte eigentlich von ihr will. Ihr Vater ist immer noch sauer auf sie und drückt ihr Männerarbeit auf. Er lässt auch keinen Zweifel daran, dass der Gelehrte Nalin Probleme bereiten will, weil sie sicher wieder irgendwas angestellt hat – vermutlich am Feuer im Wald schuld ist.

Kender räusperte sich erneut und strich sich über das Haar. Er wirkte nervös und Nalin kam der Gedanke, dass er ihr einen Antrag machen wollte. Anders konnte sie sich sein Verhalten nicht erklären. Sie wagte nicht, zu hoffen. Immerhin würde er sie damit vor einer Ehe mit dem Färberjungen retten. Dagegen erschien ihr ein Leben an Kenders Seite deutlich verlockender, obwohl sie ihn erst gestern als Heiratskandidaten ausgeschlossen hatte. Daraus konnte jedoch nichts werden, wenn er weiterhin so verlegen vor sich herumdruckste.
Sie beugte sich vor und schenkte ihm ein Lächeln, von dem sie hoffte, dass es scheu wirkte. »Was immer es ist, du kannst mir vertrauen. Was hast du auf dem Herzen? Wenn es in meiner Macht steht, werde ich dir helfen.«
Ein Ruck ging durch seinen Körper, als hätte er sich endlich dazu entschieden, ihr zu sagen, weshalb sie hier war. »Du hast recht. Es ist albern. Da suche ich nach einer Möglichkeit, es dir schonend beizubringen. Dabei bist du eine erwachsene Frau. Ich schätze, ich sehe ab und zu immer noch das Mädchen in dir, dass ich unterrichtete.« Er lächelte entschuldigend und fuhr fort. »Das Feuer gestern. Ich habe den starken Verdacht, dass du dahintersteckst.«

Badumm! Nalin ist erst einmal am Boden zerstört. Dazu gehört dann dieser schöne Verhörer meiner Software:

„Ich werde es dir erklären, aber berühre dich zuerst.“

Ja, nein, das habe ich meinem PC ganz sicher nicht diktiert! Nalin soll sich beruhigen, weil sie aus reiner Verzweiflung losheult.

Kender erklärt Nalin, dass sie vermutlich eine Magierin ist, und fordert sie zum Beweis dazu auf, eine Feder mittels Willenskraft schweben zu lassen.

Ich werde wie erwartet am Wochenende arbeiten müssen. Du kannst dich also schon darauf freuen, wie dieser Test ausgeht.

NaNoWriMo – Tag 4

Tag 4 des NaNoWriMos neigt sich dem Ende entgegen. Mit 1.724 Wörtern konnte ich wieder mein Soll erfüllen. Für mehr reicht es heute leider nicht, da ich heute gleich zwei Termine hatte. Mir genügt es für den Moment, dass ich mich mit 241 Wörtern Puffer langsam vom Minimum wegbewege. Allerdings bin ich mir mittlerweile sehr sicher, dass ich auch am Wochenende wieder zwei Stunden pro Tag arbeiten muss, um mein Soll halten zu können. Ich möchte nicht mit einem Minus in die neue Woche starten. Da bin ich ehrgeizig.

Immerhin merke ich, dass ich mich langsam einarbeite. Es fällt mir leichter, innerhalb der zwei Stunden mein Soll zu erreichen. Vielleicht kann ich mich in den nächsten Wochen genug steigern, um innerhalb von zwei Stunden deutlich mehr als nur mein Soll zu schaffen.

Heute habe ich wieder zwei Schnipsel im Gepäck. Nalins Vater ist so gar nicht begeistert, dass Nalin dem Sohn ihres Lehensherrn schöne Augen gemacht hat.

»Ich habe mit Asan gesprochen. Sein ältester wäre wohl bereit, über deine Fehler hinwegzusehen und dich zur Frau zu nehmen. Laut seinem Vater besitzt er eine starke Hand und einen festen Willen. Vielleicht gelingt ihm, was deiner Mutter und mir missglückt ist.«
Nalin klappte der Mund auf und sie starrte ihren Vater ungläubig an. Das hatte er nicht wirklich gesagt. Sie musste es sich eingebildet haben. Der Sohn des Färbers war bekannt dafür, dass er schnell die Geduld verlor. Es verging kaum eine Woche, in der es keine Beschwerden über ihn gab. Jeden vierten Sonntag, wenn der Lehensherr nach dem Rechten sah und gegebenenfalls Recht sprach, kam sein Verhalten zur Sprache. Herr Jindar hatte ihn mehrfach deswegen ermahnt, doch hatte es bisher keine Wirkung gezeigt. Insgeheim warteten alle nur darauf, dass während einer seiner regelmäßigen Schlägereien jemand ernsthaft verletzt wurde oder sogar zu Tode kam. Hinter vorgehaltener Hand wetteten die Leute, wann es so weit wäre. Dagegen war seine eingebildete Schwester die pure Unschuld. Und mit diesem Mann wollte ihr Vater sie ernsthaft verheiraten?
Das konnte sie nicht unkommentiert geschehen lassen.

Sie ist nach dem Streit in den Wald gelaufen und hat sich ihrer Wut Luft gemacht.

»Bei den Göttern, Nalin!«
Jemand packte sie am Handgelenk und zog sie mehrere Schritte mit sich. (…) Hinter ihr krachte es. Das Geräusch durchschnitt die Stille. Nalin zuckte zusammen und wandte sich um.
Schlagartig unterließ sie jeden weiteren Versuch, sich loszureißen. An der Stelle, an der sie Sekunden zuvor noch gestanden hatte, lag ein dicker Ast und brannte lichterloh. Ihr Blick wanderte an den mächtigen Baumstämmen hinauf. Ihre Kronen standen in Flammen.
Das Knistern ihrer Wut, die Hitze und der Sonnenaufgang bekamen eine völlig neue Bedeutung. Entsetzt fragte sie sich, wie lange sie sich bereits in dieser Gefahr befand.
(…) »Nalin, ist alles in Ordnung mit dir?«
Nalin drehte den Kopf und erblickte den Gelehrten. Er sah sie mit gerunzelter Stirn an. Seine Augen wirkten hinter den Gläsern unnatürlich groß. (…)
»Nalin«, rief der Gelehrte eindringlich.
»Es geht mir gut«, antwortete sie, obwohl das nicht der Wahrheit entsprach. Immerhin war sie körperlich unversehrt. Wie es um ihre Gefühlswelt stand, wusste sie gerade selbst nicht.
Kender musterte sie noch einmal von oben bis unten. Scheinbar kam er zum selben Schluss. »Geh nach Hause. Ich werde im Dorf Alarm schlagen, damit sich das Feuer nicht weiter ausbreiten kann. Komme morgen bei mir vorbei.«
Seine Stimme klang sanft und ließ dennoch keinen Widerspruch zu.

Damit endet das zweite Kapitel. Der Roman ist jetzt 6.909 Wörter lang. Wenn ich wie geplant am Wochenende mein Tagessoll schreibe, werde ich am Sonntag das erste Fünftel des Monatssolls erreichen. 10.000 Wörter! Innerhalb einer Woche. Für manche Autoren ist das ein Klacks. Für mich ist das ein Grund zur Freude.