Donnerstag, Dezember 09, 2021
Zitate

Zitat der Woche (KW 15/2020)

Ein einfacher Satz und doch löst er viel in mir aus. Es ist offensichtlich, was Friedrich Wilhelm Raiffeisen mit diesem Satz im Kern meinte. Gemeinsam sind wir stark, zusammen schaffen wir alles.

Soweit, so gut. Aber diese Stärke erfordert etwas, das in der heutigen Zeit nicht mehr alltäglich ist. Gemeinschaftssinn, ein Gefühl von Verbundenheit zum Schwächsten als auch zum Stärksten der Gemeinschaft. Da hapert es schon. Wir schimpfen über Penner, Sozialschmarotzer, Politiker, Überreiche, Arme, Ausländer, Asylanten, Alte, Kranke und so viele andere Gruppen. Dabei vergessen wir, dass viele Menschen in diesen verachteten Gruppen ihr Schicksal nicht freiwillig gewählt haben. Natürlich gibt es schwarze Schafe, aber dürfen wir uns auf diese wenigen konzentrieren, wenn es doch so viele gibt, denen einfach nur eine Chance fehlt, um ihren Willen und ihr Können zu beweisen? Und wenn wir diesen Menschen helfen, stärken wir damit nicht auch unsere Gemeinschaft und können damit noch viel mehr bewirken?

Ganz im Sinne einer Utopie könnten wir mit wenigen Handlungen gescheiterten Existenzen und auch uns selbst eine goldenere Zukunft aufbauen. Jeder hat es in der Hand. Aber es ist verdammt schwer, über seinen eigenen Schatten zu springen und das egoistische Selbsterhaltungsprinzip über Bord zu werfen. Versteh mich nicht falsch. Da muss ich auch an mir selbst arbeiten. Das ist mir sehr wohl bewusst. Indem ich diese Zeilen für dich schreibe, nehme ich mir auch selbst die Scheuklappen ab. Es ist ein langer, beschwerlicher Weg, aber wie schön wäre es, das Resultat der Bemühungen noch erleben zu können, vielleicht sogar am eigenen Körper. Wir werden alle mal krank und hoffentlich auch alt. Wir mögen weise genug sein, einen Krieg in unserem Land zu verhindern. Sonst sind wir irgendwann die Asylanten in einem fremden Land. Das Schicksal kann uns leicht übel mitspielen. Das dürfen wir nicht vergessen. Aber indem wir etwas mehr zusammenrücken – bildlich gesprochen! – und den Menschen mit Wohlwollen begegnen, wird sich etwas ändern. Nicht sofort und wir werden auch häufig enttäuscht werden, aber irgendwann schlagen unsere Bemühungen Wurzeln und die gemeinsame Stärke wird sich ausbreiten.

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