Verena Jung

Zitat der Woche (KW 28/2020)

Dieses Zitat ist ein Rat fürs Leben. Für mich bedeutet der Spruch, dass ich regelmäßig prüfen sollte, ob der von mir eingeschlagene Weg der richtige ist bzw. dass ich nicht von der Route abgewichen bin. Die Vielseitigkeit kann ich wohl kaum komplett erfassen. Für mich betrifft es sowohl meinen Charakter, der mich zu einem guten oder schlechten Mensch macht, als auch meine Taten, die daraus resultieren.

Manchmal stelle ich bei dieser Selbstreflektion fest, dass ich auf der Stelle trete und etwas ändern muss, um mich weiterzuentwickeln. Es kommt auch vor, dass mir dabei auffällt, dass ich mein Ziel aus den Augen verloren habe und neu ansetzen muss. Oft kann ich mich darüber freuen, dass ich alles richtig gemacht habe. Natürlich sind das subjektiv Erkenntnisse, aber ich bemühe mich, dabei so ehrlich wie möglich zu sein. Was hätte ich auch davon, wenn ich mich selbst belüge?

Ich finde es wichtig, ab und zu zu hinterfragen, wo ich stehe. Wenn ich jeden Tag das Beste aus meinem Leben zu machen versuche, und genau genommen zielt das Zitat genau darauf ab, kann ich rückblickend auf ein hoffentlich für mich wertvolles und auch für andere bereicherndes Leben zurückblicken.

Piper-Wettbewerb

Eigentlich sollten sich die Mitarbeiter von Piper letzte Woche Montag melden, weil mein eingesandter Roman unbedingt in ihrem Programm erscheinen muss. Das haben sie nicht getan. Bestimmt ist die E-Mail an mich verloren gegangen. 😉

Spaß beiseite, es war absehbar, dass mein Roman keine Chance in einem so großen Publikumsverlag bekommen würde. Jedenfalls nicht beim ersten Versuch und ohne die Rückmeldung meiner Testleser. Die erwarte ich übrigens bis Ende diesen Monats und anschließend habe ich schon einen Termin für ein Lektorat. Mal sehen, was ich aus der Geschichte noch herausholen kann.

Schreibupdate – 29.06.2020

Letzte Woche habe ich knapp fünf Stunden an meinem weihnachtlichen Projekt gearbeitet. Dabei habe ich noch ein paar Dinge recherchiert, die letzten Dates und auch das Weihnachtsfest mit allem Drum und Dran geplant. Nach mittlerweile 53,5 Stunden Recherche und Planung habe ich das Gefühl, meine Geschichte und die Figuren zu kennen und losschreiben zu können. Nach meiner groben Schätzung ist das 21,5 Stunden früher als erwartet. Deshalb bin ich noch unsicher, ob nicht doch noch irgendwo etwas fehlt, damit die Geschichte einem dichten Netz gleicht, das irgendwann die Leser einfängt. Da passt es ganz gut, dass ich vor kurzem von zwei Ausschreibungen erfahren habe, die ich vorziehen will/muss.

Die erste heißt Grenzen – Ende oder Anfang? und wird von TOR ONLINE und PAN veranstaltet. Vielleicht erinnerst du dich, dass ich letztes Jahr schon einmal an einer Ausschreibung dieser beiden Netzwerke teilgenommen habe? Hier geht es nicht um eine Veröffentlichung in einer Anthologie, sondern um eine einzelne Gewinnergeschichte, die auf den Seiten veröffentlicht und mit 100,00 Euro Preisgeld versehen ist. Die Gewinnchancen sind gering, aber man verliert auch nichts dabei. Immerhin hat man selbst bei einer Absage im Idealfall eine tolle Geschichte, die man auch für eine andere Ausschreibung nutzen kann. Da ich mich so oder so als Gewinnerin sehe und mich das Thema reizt, will ich auch dieses Jahr wieder teilnehmen. Abgabetermin für diese Ausschreibung ist der 31.08.2020. Das sind jetzt noch gute zwei Monate, aber die Zeit ist zu knapp, um zuerst meinen Roman zu schreiben und mich erst anschließend an die Kurzgeschichte zu setzen. Deshalb habe ich in der vergangenen Woche die Kurzgeschichte bereits geplant und damit begonnen, sie zu schreiben. Auf diese Weise hoffe ich, eventuell auch noch Ideen zu entwickeln, die in meinen Weihnachtsroman sollen, falls noch etwas fehlt.

Die zweite Ausschreibung heißt The S-Files: Die Succubus Akten und wird vom Talawah Verlag verantstaltet. Sie gehört zu den bereits erschienenen Files der Einhörner, Phönixe und Amazonen. Die Abgabefrist endet am 31.01.2021. Ich hätte also noch viel Zeit, bevor ich mich an diese Kurzgeschichte setzen muss. Trotzdem will ich sie so schnell wie möglich erledigen, um meine Gedanken voll und ganz auf meinen nächsten Roman lenken zu können. Da passt es gut, dass ich aufgrund der „kurzfristigen“ Abgabefrist der Grenzen-Ausschreibung das Schreiben sowieso verschoben habe. Auch hier habe ich letzte Woche bereits geplant, worüber ich schreiben will. Ich empfand es als Herausforderung, von der Thematik nicht zu sehr das Hauptaugenmerk auf Sex zu lenken, da Succubi und Incubi dafür bekannt sind, dass sie sich während des Beischlafs von der Energieaura der Menschen ernähren. Viel mehr warf das Internet zu diesen Figuren auch nicht aus. Nun, in ungefähr einem Jahr wird es mehr über sie zu wissen geben.

Listen, Listen, Listen – Teil 2

Letzte Woche habe ich von meiner großen Excel-Tabelle erzählt, in der jeder Handschlag an meinen Projekten erfasst wird. Heute gehe ich auf meine Projektübersicht ein.

Diese lebt teilweise durch die Tabelle, die ich letzte Woche vorgestellt habe. In ihr erfasse ich in der ersten Spalte die Namen meiner Projekte. In den dahinter folgenden Spalten stehen die Vorbereitungszeit für Recherche und Planung, die geschriebenen Worte, die Überarbeitungszeit, die geschriebenen Seiten, wann ich die Geschichten abgeschickt habe und wie die Entscheidung seitens des Verlags ausgefallen ist. Durch diese Tabelle kann ich genau sagen, wie viel ich an dem jeweiligen Projekt gearbeitet habe. Die Tabelle von letzter Woche ist eher eine Monatsübersicht, auch wenn ich dort sehen kann, was ich da monatlich pro Projekt gearbeitet habe.

Dieses Jahr ist meine Projektübersicht schon sehr umfangreich, weil ich am Jahresanfang bei sechs Projekten aus dem letzten Jahr noch auf Rückmeldung wartete und diese deshalb in die Tabelle für dieses Jahr übernommen habe. Mittlerweile habe ich zu jeder dieser Kurzgeschichten eine Nachricht erhalten und darf mich über zwei Zusagen freuen. Mit Abgabetermin für dieses Jahr habe ich elf weitere Kurzgeschichten. Davon muss ich noch eine schreiben und für sieben dieser elf Geschichten ist die Abgabefrist noch nicht abgelaufen. Entsprechend habe ich erst für drei dieser elf Geschichten eine Rückmeldung – eine Absage und zwei Zusagen! Auch eine Kurzgeschichte, die erst nächstes Jahr abgegeben werden muss, hat es bereits in meine Projektübersicht geschafft, weil ich meine Aufgaben lieber zeitnah erledige, statt die Abgabefristen bis aufs Limit auszureizen. Sechs weitere Zeilen betrachten meine Romanprojekte in ihren unterschiedlichen Bearbeitungsständen. In den letzten beiden Zeilen geht es um Kurzgeschichten, die nichts oder nichts mehr mit einer Ausschreibung zu tun haben. In der einen Zeile geht es mir um neue Kurzgeschichten, die ich einfach schreiben musste, und in der anderen um ältere, die prinzipiell geschrieben sind, aber nie überarbeitet oder von den Verlagen abgelehnt wurden, sodass ich sie noch einmal prüfen will.

Die letzten beiden Zeilen vernachlässige ich leider meistens sträflich, weil ich so viel Neues im Kopf habe. Da fällt es schon schwer, sich um alte Kurzgeschichten zu kümmern. Aber ich versuche, immer wieder mal eine dieser Geschichten zu bearbeiten.

Dank dieser Tabelle weiß ich auf einen Blick, welches Projekt ich zuerst bearbeiten sollte. So muss ich z. B. mindestens eine der beiden neu hinzugekommenen Kurzgeschichten fertigmachen, ehe ich anfange, meinen Weihnachtsroman zu schreiben. Die Abgabefrist zu dieser Ausschreibung endet am 31. August. Da ich nicht sicher sagen kann, dass ich bis dahin mit dem Schreiben meines Romans fertig bin, und ich ungern mittendrin unnötig aus der Thematik herausgerissen werde, ziehe ich die Kurzgeschichte also vor. Und wenn ich schon dabei bin, spricht ja nichts dagegen, wenn ich auch die zweite Kurzgeschichte gleich mit abarbeite, auch wenn ich bis Ende Januar nächsten Jahres Zeit habe. Zumindest, wenn mir dazu etwas einfällt. Notfalls schiebe ich diese Geschichte noch etwas, bis mir entweder etwas einfällt oder ich mir sicher bin, dass das Thema und ich nicht harmonieren.

Auf der einen Seite finde ich es schade, dass es keine entsprechenden Tools für Autoren gibt. Andererseits bin ich mir sicher, dass jeder Autor seine eigene Art hat, seine Arbeit nachzuvollziehen. Gäbe es also ein Programm für solche Erfassungen, müsste es sich idealerweise in sehr vielen Punkten individualisieren lassen. Das ist machbar, aber auch ein enormer Programmieraufwand, den wohl niemand wird bezahlen wollen. Deshalb bin ich immer wieder froh, dass ich mich mit Excel so gut auskenne.

Piper-Wettbewerb

Piper hat in einem Facebook-Beitrag die Gewinner des Wettbewerbs verkündet. Die Autoren auf den ersten drei Plätzen bekommen einen Vertrag. Meine favorisierte Geschichte ist auf Platz 3 gelandet und ich freue mich, dass sie es geschafft hat. Zugleich kündigt Piper an, Autoren, die es nicht auf die Shortlist geschafft haben, deren Geschichten jedoch gefielen, ebenfalls einen Vertrag anzubieten. Die Mails mit dieser frohen Botschaft sollen bis kommenden Montag rausgehen.

Noch ist also nicht alles für mich verloren. Ich hoffe wieder – und ja, ich bin eine hoffnungslose Optimistin. 😄 Wieso auch nicht? Wenn ich aufhöre, zu hoffen, kann ich im Bett liegenbleiben und auf meinen Tod warten, denn dann hat das Leben mir nichts mehr zu bieten. Aber es gibt so vieles, in das ich meine Hoffnung setzen kann. Da tut ein einzelner Rückschlag, sollte es z. B. auch jetzt im Nachgang nicht mit dem Vertrag klappen, nicht so weh.

Jetzt heißt es wieder warten und hibbeln. Hach ja, das Leben als Schriftstellerin ist aufregend! 😅

Zitat der Woche (KW 26/2020)

Puh, ein harter Spruch. Bekäme ich den an den Kopf geworfen, wäre ich wohl betroffen. Ganz sicher würde ich erst einmal eine Weile überlegen, ob ich diesen Satz verdiene. Wenn ja, wüsste ich schon, worin mein Fehler lag, sodass ich mich dafür entschuldigen und versuchen könnte, dieses Verhalten nicht zu wiederholen. Im Allgemeinen halte ich es jedoch so, dass ich lieber zu wenig als zu viel sage, weil ich mir und meinem Wissen oder meiner Einschätzung nicht traue. Oft genug habe ich gemerkt, dass es gut so war, weil mir Informationen fehlten, durch die meine ursprünglichen Aussagen sich als fehlerhaft herausgestellt hätten. Es kommt aber auch vor, dass ich mich im Nachhinein ärgere, weil meine Gedanken richtig gewesen wären und ich vielleicht etwas hätte bewirken können, wenn ich sie auch laut ausgesprochen hätte.

Aber was bedeutet dieser Spruch genau?

Nun, es gibt durchaus Menschen, die zu allem eine Meinung haben, ich diese aber nicht teilen kann. Oft habe ich dabei das Gefühl, dass diese Leute sich diebisch darüber freuen, wenn sie ihre – in meinen Augen zweifelhaften – Aussagen treffen. Als wenn sie sich dadurch wertvoller fühlten. Meistens handelt es sich bei den Kommentaren im weitesten Sinn um Fremdenhass, Diskriminierung oder Politik. Das tut mir weh, selbst wenn ich nicht damit gemeint bin. Aber es wird so pauschalisiert darüber gesprochen, dass annähernd jeder betroffen sein kann.

Umgekehrt spricht Heinrich Heine von den Klugen, die scheinbar zwar die Fehler an anderen Menschen oder die Mängel im System bemerken, sich darüber aber nicht auslassen. Ich frage mich, wieso das so ist? Liegt es daran, dass die Klugen wissen, dass es nichts bringt, jemanden darauf hinzuweisen? Dass jemand sein Verhalten deswegen z. B. nicht ändern, sondern vielleicht sogar erst so richtig böse wird? Es klingt ein wenig danach, als sollte man einfach hinnehmen, wenn etwas nicht in Ordnung ist.

Ich kann nur vermuten, was Heinrich Heine wirklich mit dem Spruch gemeint hat. Ich muss an Reden ist Silber, Schweigen ist Gold. denken. Vielleicht wollte er darauf hinweisen, dass die „Dummen“ sich wenig Gedanken darüber machen, was sie so von sich geben und ob dafür auch gerade der richtige Zeitpunkt ist, während die „Klugen“ erst abwägen, ob ihr Eindruck korrekt und die aktuelle Situation der passende Rahmen ist, um die Beobachtung zur Sprache zu bringen.

Du siehst, dieser Spruch bereitet mir selbst großes Kopfzerbrechen, weil er unterschiedlich ausgelegt werden kann. Es kommt nur darauf an, ob ich mich streng an den Wortlaut halte oder ob ich ihn nur interpretiere. Mir gefällt meine Interpretation besser, weil sie nicht so hart klingt und zugleich auf die Hintergründe hindeutet. Zugleich habe ich die Dummen und die Klugen in Anführungszeichen gesetzt, weil jeder mal zu den Dummen oder den Klugen zählen kann. Ich würde jedenfalls nicht sagen, dass man immer zu den Dummen oder immer zu den Klugen zählt. Dafür sind wir Menschen einfach zu menschllich.

Schreibupdate – 22.06.2022

Seit letzter Woche ist mein Fortschrittsbalken um 10% nach rechts gewandert. Das entspricht genau neun Stunden Arbeit. Obwohl mein roter Faden für die Geschichte prinzipiell steht, entdecke ich immer noch Neues. Zum Beispiel soll es ein paar Dates geben. Normalerweise würde ich einfach an den Stellen meines roten Fadens Date 1, Date 2 etc. schreiben und mir beim Schreibprozess, wenn ich an diese Punkte gelange, überlegen, wie diese Dates aussehen. Da ich keine große Romantikerin bin, muss ich mir jedoch schon vorab Gedanken machen, zumal meine Geschichte im Spätherbst und zum Winteranfang spielt, sodass ich auch das Wetter dabei im Auge behalten muss. Eine romantische Fahrt auf der Saar wäre toll, fällt allerdings wegen des Fahrplans, der sich eher auf die schönen Monate konzentriert, leider flach. Für das Minigolf-Date habe ich eine Möglichkeit gefunden, auch wenn ich die beiden Figuren viel lieber im Freien hätte spielen lassen. Andererseits … So komme ich vielleicht aus Recherchegründen (!) zu einem Minigolfspiel mit meinem Mann in diese sehr ausgefallene Minigolfanlage … 😁 Wenn ich fertig bin, kann man meinen Roman vielleicht sogar ein bisschen als Saarlandreiseführer nutzen. Zu schade, dass ich aufgrund der zeitlichen Einschränkung meines Romans nicht auf alles eingehen kann. Das Saarland hat einiges zu bieten.

Listen, Listen, Listen – Teil 1

Du stehst auf Listen oder willst einmal wissen, wie du deine Arbeitskraft mithilfe von Listen einschätzen und gezielter einsetzen kannst? Auch wenn ich hier nur auf die Anwendung für Autoren eingehe, findest du sicher Anregungen für dich.

Als freiberufliche Autorin muss ich mich jeden Tag selbst managen. Es gibt keinen Chef, der mir die Fristen vorhält oder Aufgaben zuteilt und mir damit den Arbeitstag füllt. Niemand, der mir sagt, ob mein Arbeitspensum  angemessen oder unter dem Soll ist. Meine Zeit bestmöglich zu nutzen, ist deshalb schwierig, vor allem, wenn man die Arbeitswelt als Arbeitnehmer kennengelernt hat. Durch meine Arbeit als Büroangestellte habe ich Excel und die Einsatzmöglichkeiten kennen- und schätzengelernt.

Angefangen hat es schon 2015. Damals wollte ich einfach nur wissen, wie viele Worte ich am Tag, im Jahr und im Durchschnitt schreibe. Jeder Monat erhielt ein Tabellenblatt und in einem dreizenten Blatt erstellte ich eine Zusammenfassung als Überblick über alle zwölf Monate. Ich definierte auch Ziele, also was ich im Jahr schreiben will und wie viel das auf den Monat umgerechnet für mich bedeutet. Damals fand ich, dass 50.000 Worte im Jahr für den Anfang genügen. Ich rechnete nicht mit dem NaNoWriMo, wegen dem ich am Jahresende auf 87.932 Worte insgesamt kam. Zeiten zum Recherchieren, Planen oder Überarbeiten erfasste ich damals noch nicht, wodurch viele Zeilen und sogar Tabellenblätter leer blieben – auch, weil es tatsächlich Monate gab, in denen ich mich überhaupt nicht zum Schreiben hinsetzte.

2016 nutzte ich die Tabelle aus 2015 als Vorlage. Das Ziel blieb gleich, wobei ich in dem Jahr nicht am NaNoWriMo teilnahm. Ich schaffte nur 32.253 Worte, wobei ich in dem Jahr beruflich stark eingespannt war und meine Freizeit häufig lieber zum Entspannen nutzte.

Auch 2017 änderte sich an meinem Verfahren, meine Arbeit zu erfassen, nichts. Bei gleichem Ziel wie die beiden Vorjahre kam ich jedoch auf 94.337 Worte. Die Tabelle spiegelt wunderbar wieder, ab wann ich arbeitslos wurde und somit mehr Zeit in meine Geschichten steckte.

2018 nahm ich starke Veränderungen vor. Die Tabellenblätter blieben gleich, aber in ihnen erfasste ich zum ersten Mal, an welchem Projekt ich jeweils gearbeitet hatte sowie die Zeit zum Recherchieren, Planen oder Überarbeiten. Ich arbeitete viel mit Formeln, um die bereits getätigte Arbeit in den nächsten Monat zu übertragen und einen Druchschnittswert der geschriebenen Seiten zu erhalten. Die Tabelle wurde farbenfroh, weil ich jedem Projekt eine Farbe zuwies. Ich erweiterte auch zum ersten Mal meine Ziele, rechnete mit 33.500 Worten im Jahr und 50.000 Worten zusätzlich für den NaNoWriMo. Ich übertraf die gesetzten 83.500 Worte um 3.160 Worte und freute mich, dass ich meine Jahresleistung so gut eingeschätzt hatte. Zum Recherchieren, Planen oder Überarbeiten hatte ich 64 Stunden verwandt.

Meine Erfahrungen mit dieser erweiterten Tabelle waren sehr positiv. Ich kann heute noch nachvollziehen, wann ich an welchem Projekt gearbeitet habe, und kann einschätzen, was ich genau getan habe. Entsprechend hielt ich 2019 an diesem System und auch dem Ziel fest. Ich hatte meine Möglichkeiten deutlich unterschätzt. In diesem Jahr schrieb ich 137.968 Worte und hatte 148 Stunden für Recherche, Planung und Überarbeiten verbracht. Ich denke, dass ich in diesem Jahr erst wirklich in meine freiberufliche Karriere reingekommen bin. Es war auch das erste Jahr, für das ich ein selbst erstelltes Hintergrundbild für meinen Desktop nutzte, auf dem meine Ziele klar definiert standen.

Und 2020? Ich habe mein Ziel auf 180.000 Worte angehoben und alternativ ein Ziel zum Recherchieren, Planen und Überarbeiten von 756 Stunden definiert und diese Ziele somit an meine neuesten Modifikationen angepasst. Meine Tabelle rechnet jetzt automatisch meine geschriebenen Worte und gearbeitete Zeit in einen Prozentwert um, weil ich Zeit und Worte sonst nur schwer vergleichen könnte. Anhand dessen werde ich am Jahresende sehen, ob ich meine Ziele erreicht habe. Dazu würde es z. B. schon reichen, wenn ich 90.000 Worte schreibe und 378 Stunden zum Recherchieren, Planen und Überarbeiten verbringe. Bis jetzt habe ich in keinem Monat die 100% erreicht, aber so soll es eigentlich auch sein. Ich habe mich da von meinem Mann beraten lassen, der sich als Meister in Sachen Arbeitsbeurteilung auskennt. Demnach erfülle ich mein Soll schon, wenn ich jeden Monat nur 70% schaffe. Im Schnitt liege ich aktuell bei 60%, wobei der Juni ja noch nicht vorbei ist. Wenn es bei diesem Durchschnittswert bleibt, weiß ich, dass ich nächstes Jahr entweder etwas an meiner Arbeitsweise ändern muss, sofern das möglich ist, oder ich muss meine Werte ein wenig nach unten korrigieren. Beides ist keine Schande, sondern hilft mir, mich und meine Arbeitsleistung realistisch einzuschätzen.

Zitat der Woche (KW 25/2020)

Ein schönes Zitat. Es erinnert daran, dass man vor lauter Verbissenheit, sein Ziel zu erreichen, nicht übersehen soll, was man bereits (erreicht) hat. Obwohl ich das Zitat bisher nicht kannte, lebe ich es seit einigen Jahren.

Mein Ziel ist es, irgendwann vom Schreiben einigermaßen leben zu können. Das Äquivalent zu einem 450-Euro-Jobs würde mir genügen, auch wenn ich als Autorin die Zahlungen natürlich nicht so schön verteilt bekomme. Aber ob ich die 5.400 Euro jetzt in zwölf Raten oder in Form von Vorschüssen für ein bis zwei Romane ziemlich auf einmal erhalte, ist mir gleich. Für mich zählt nur, dass ich das Geld durch das verdient habe, das ich so sehr liebe, und dass dieses Geld mir ermöglicht, dieser Liebe weiterhin meine ganze Aufmerksamkeit zu schenken. Weil es mir guttut.

Dass ich dieses Ziel nicht innerhalb weniger Jahre erreichen kann, ist mir bewusst. Gut möglich, dass ich es auch nie schaffe. Aber ich muss es versuchen, weil das Schreiben für mich eines der wichtigsten Dinge in meinem Leben ist. Ich weiß, dass ich hart an mir arbeiten und auch hartnäckig bleiben muss, um vielleicht an mein Ziel zu kommen. Ich bin bereit, das auf mich zu nehmen, weil ich es liebe, Geschichten zu erfinden, sie aufzuschreiben und auszufeilen, bis es das Beste ist, zu dem ich fähig bin.

Dabei verliere ich das Jetzt nie aus den Augen. Ich schrieb ja zum Lektorat von The D-Files: Die Drachen Akten, dass meine Lektorin mich zu meinen Fortschritten gelobt hat. Ich freute mich darüber, weil ich mich innerhalb eines Jahres so stark gebessert hatte, dass meine Lektorin es für erwähnenswert hielt. Ich bin in diesem Jahr meinem Ziel einen Schritt näher gekommen und ich genieße es. Auch wenn ich mein Ziel nicht aus den Augen verliere, ist es wichtig, diese Zwischenerfolge auszukosten. Sie geben mir Kraft, um den nächsten Schritt zu wagen.

Schreibupdate – 15.06.2020

Seit zwei Wochen plane ich wieder fleißig an meinem Weihnachtsprojekt, insgesamt nur elf Stunden wegen der vielen Feier- und Brückentage. Mein Fortschritt ist um 19% angewachsen, wobei ich langsam glaube, dass ich mit der Zeit, die ich zum Planen brauche, zu pessimistisch war. Ich nähere mich jedenfalls mit riesigen Schritten dem Moment, wo es kein Halten mehr gibt und ich meine Geschichte einfach erzählen – also tippen – darf.

Mittlerweile sind alle Figurenblätter bis auf eines ausgefüllt und von den bestehenden Figuren hat jede einen interessanten Hintergrund. Da einige alte Leute in meiner Geschichte vorkommen, musste ich mich mit dem Leben zum Ende des zweiten Weltkriegs und der Nachkriegszeit sowie den Frauenrechten und ihrer Entstehung auseinandersetzen. Früher fand ich es furchtbar, wenn mein Vater mal wieder auf arte schaltete und dort eine Reportage über den zweiten Weltkrieg lief. Als Teenagerin fand ich das Thema langweilig, auch wenn ich damals schon der Meinung war, dass man ungefähr wissen sollte, was passiert war, damit sich die Geschichte nicht wiederholt. Heute ist es für mich ganz normal, dass ich mich auf eine Stelle bewerbe und den Arbeitsvertrag unterschreibe, wenn das Unternehmen mir gefällt. Mir war klar, dass Frauen früher eine Erlaubnis vom Vater oder Ehemann dazu brauchten, aber nicht, dass diese Zeit noch gar nicht so lange her ist. Kaum zu glauben, aber ich fand meinen Ausflug in die Vergangenheit unheimlich spannend. Für mich ein Grund, mich wirklich mal mit einem umfassenden Geschichtsbuch zu beschäftigen – nicht nur über die deutsche Geschichte, sondern über die der gesamten Welt. Ich bin mir sicher, dass nicht nur mein Allgemeinwissen davon profitieren wird, sondern auch meine Geschichten.

Auch die grobe Geschichte steht, was bedeutet, dass zugleich auch eine Rohversion des Exposés fertig ist. Das ging jetzt recht fix, aber ich liebe es auch, meine Geschichten aufzubauen. Mittlerweile weiß ich, dass sie aus der Sicht von vier Figuren erzählt werden wird, und ich freue mich schon darauf, jeder dieser Figuren ihre eigene Erzählstimme zu verleihen. Sie sind so unterschiedlich und ihre Ansichten werden die Geschichte noch zusätzlich anheizen.

Noch darf ich nicht anfangen. Immerhin fehlt mir der Weihnachtsmann persönlich noch in meiner Figurendatenbank. Nicht zu fassen, dass ich den immer wieder vergesse! Dabei gehört er zu den wichtigen Figuren, ist einer der Perspektivträger und hat eine Menge zu erzählen. Außerdem muss ich mir Gedanken machen, wie es am Nordpol aussieht und welche wichtigen Gegenstände es dort geben könnte. Es genügt mir nicht, dass Fabelwesen wie Weihnachtselfen, Engel und der Weihnachtsmann in meiner Geschichte vorkommen. Da muss noch mehr Magie und vor allem Weihnachtsstimmung rein, damit meine Geschichte irgendwann die Leser auf magische Weise einfängt und sie mit Vorfreude auf Weihnachten unter dem Tannenbaum absetzen kann. Am besten mit einem schmachtenden Seufzen auf den Lippen.